Im zweiten freien Training der Formel 1 2024 in Silverstone setzte Lando Norris mit einer 1:26.5 die Bestzeit. Das besondere daran: Damit ist er bereits zwei Zehntel schneller als Max Verstappens Pole-Zeit aus 2023. Ungewöhnlich, denn auf keiner anderen Strecke waren die Boliden im Vergleich zum Vorjahr so viel schneller. Dazu kommt, dass die Teams wohl noch lange nicht alle Leistungsreserven aus ihren Boliden herausgeholt haben. Warum sind die Autos also so viel schneller als 2023?

Berra: F1-Rundenzeiten 2024 schneller als erwartet

Auch Pirelli-Chefingenieur Simone Berra überrascht die Pace der Autos. Mit den Reifen soll das allerdings nichts zu tun haben. Schließlich fahren die Piloten dieselben Mischungen. Pirelli hat sich für das Wochenende in Silverstone erneut für die härtesten Mischungen entschieden. Den C1, C2 und C3-Reifen. Die Struktur der Reifen ist dabei identisch zum letzten Jahr.

Warum also sind die Boliden so viel schneller? “Letztes Jahr hatten wir am Samstag-Morgen Regen und im Qualifying wurde es trocken. Die Strecke hatte also vermutlich nicht so viel Grip wie aktuell. Das könnte der einzige Unterschied sein. Ich denke das meiste kommt aber durch die Evolution der Autos”, so Berra.

Dazu könnte ein weiterer Faktor kommen: Die veränderten Track Limits. Wie schon in Österreich wurden an einigen Stellen der Strecke Kiesbetten implementiert, um Fahrer vom Verletzen der Streckenbegrenzung abzuhalten.

“Im Vergleich gibt dir das vermutlich eine Zehntel an Rundenzeit, aber wir sind ja schon zwei Zehntel schneller als letztes Jahr”, argumentiert Berra. “Und in den freien Trainings bist du noch gar nicht am Limit bei den Track Limits. Das sollte also eher im Qualifying berücksichtigt werden.”

Erhöhung des Reifendrucks als Maßnahme gegen hohe Last?

Allerdings hat das hohe Tempo der Autos einen Nachteil. Die Last in schnellen Kurven könnte zu stark werden. In der Vergangenheit hatten die Pirelli-Reifen schon aus diversen Gründen in Silverstone zu kämpfen. Besonders die vielen schnellen Kurven haben damit zu tun. In diesen Kurven wächst die Last auf den Reifen.

Eine Maßnahme gegen diese Last wäre eine Erhöhung des Reifendrucks. “Durch die Simulation, die wir durch das Rennen vorher hatten, war die Last in den Kurven vergleichbar mit denen des letzten Jahres. Deswegen nutzen wir auch dieselben Reifendrücke wie vergangenes Jahr”, erklärt Berra.

2020 machten die Reifen gegen Ende des Rennens bei vielen Piloten unangekündigt schlapp, Foto: LAT Images
2020 machten die Reifen gegen Ende des Rennens bei vielen Piloten unangekündigt schlapp, Foto: LAT Images

“Jetzt müssen wir uns das anhand der neuen Daten anschauen. Wenn die Last unterschätzt wurde, müssen wir die Reifendrücke vermutlich erhöhen. Das könnte einen Effekt auf den C3 [ Der Soft-Reifen, Anm. d. Red.] haben, der der schwächste der drei Reifen ist. Aber wir würden in so einem Fall kein total anderes Rennszenario erwarten”, so Berra.