Der Einstieg von Audi in die Formel 1 schreitet unweigerlich voran. Nicht einmal mehr zwei Jahre vor dem ersten Rennen eines Audi-Motors in der Königsklasse des Motorsports, verkünden die Ingolstädter am Wochenende des Großen Preises von Österreich den nächsten Meilenstein. Die in Neuburg an der Donau entwickelte Power Unit konnte bereits die ersten Renndistanzen auf dem Prüfstand absolvieren.

“Wir haben 2023 viel Erprobungszeit mit den einzelnen Komponenten gesammelt und konnten die gewonnene Erfahrung parallel in die nächsten Baustufen einbringen. Bedeutende Meilensteine und Ziele wurden erreicht”, lobt Adam Baker in einem von Audi veröffentlichten Interview. Baker ist CEO der Audi Formula Racing GmbH, die sich für die Entwicklung des Formel-1-Motors verantwortlich zeigt.

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Audi-Power-Unit virtuell bereits in Las Vegas, Spielberg und Singapur

CTO Stefan Dreyer pflichtet Baker bei: “Wir haben eine sehr ambitionierte Modernisierung und Erweiterung unseres Prüffelds umgesetzt. Heute verfügen wir über 22 hochmoderne Prüfstände am Standort.” Dreyer, der als einer von wenigen Mitarbeitern seit Tag eins in das Formel-1-Projekt bei Audi involviert ist, kündigt zudem zeitnahe weitere Meilensteine an. “Nach den erfolgreichen Renndistanzen mit der Power Unit werden wir das in Kürze auch mit dem gesamten Antrieb, also der Kombination aus Power Unit und Getriebe, durchführen”, so Dreyer.

Als Strecken für die simulierten Renndistanzen dienten unter anderem die Formel-1-Kurse in Las Vegas, Spielberg und Singapur. Besonders die Strecke in Las Vegas sei Dreyer zufolge für das Energiemanagement relevant. Dieses wird durch die deutlich erhöhe Elektro-Komponente des Motors 2026 voraussichtlich eine größere Rolle spielen. “Mehrere schnelle und langsame Kurven sowie eine fast zwei Kilometer lange Vollgasfahrt über den Las Vegas Strip bieten eine perfekte Entwicklungsumgebung, um den Verbrennungsmotor und die ERS-Komponenten (Energierückgewinnungssystem) aufeinander abzustimmen”, erklärt Dreyer.

Seit dem verkündeten Audi-Einstieg in die Formel 1 sind fast zwei Jahre vergangen, Foto: LAT Images
Seit dem verkündeten Audi-Einstieg in die Formel 1 sind fast zwei Jahre vergangen, Foto: LAT Images

Audi intensiviert Zusammenarbeit mit Sauber

Die Vorbereitungen für den Einstieg in die Formel 1 von Audi laufen also nach wie vor auf Hochtouren – und werden bis 2026 wohl kaum abnehmen. “Das Reglement lässt zum Beispiel für Einzylinder-Tests insgesamt drei Prüfstände zu, die bei den Betriebszeiten von der FIA nicht beschränkt sind. Wir nutzen diese Maximalzahl am Standort für die Entwicklung der Brennverfahren der Verbrennungsmotoren so intensiv wie möglich”, gibt Dreyer Einblicke in die intensiven Bemühungen von Audis-Motorenmannschaft. Zu dieser zählen mittlerweile Mitarbeiter aus 23 Ländern – laut Baker auch mit ehemaligen Mitarbeitern sämtlicher anderer Motorenhersteller.

Doch nicht nur auf Seiten des Motors macht Audi stetige Fortschritte. Auch die Zusammenarbeit mit dem zukünftigen Werksteam Sauber wurde im letzten halben Jahr intensiviert. Anfang März 2024 hatte Audi angekündigt, entgegen den ursprünglichen Planungen die vollen 100 Prozent des Formel-1-Teams vom vorherigen Mehrheitsaktionär Islero Investments von Finn Rausing zu übernehmen.

“Bereits im Januar 2023 haben wir zusammen mit dem 2026-Konzeptteam in Hinwil einen frühzeitigen Start hingelegt. Diese Arbeit intensiviert sich nun mit dem vorliegenden Chassis-Reglement“, verrät Baker. “Unser Ziel ist klar: Die Vorteile und Möglichkeiten eines Werksteams bei Packaging und Integration der Power Unit voll ausschöpfen.”

Getriebe-Herstellung in Neuburg und Hinwil

Dazu, wie das genau geschehen soll, liefert Dreyer die Details: “Auf der technischen Seite arbeiten wir bereits standortübergreifend in einem echten Werksteam-Modus. Dabei steht die Integration der Power Unit mit wichtigen Details wie Thermomanagement im Fokus. Darüber hinaus gibt es auch beim Getriebe eine enge Zusammenarbeit.”

Während die Innereien des zukünftigen Audi-Getriebes in Neuburg entwickelt werden, entstehen die strukturellen Teile wie das Getriebegehäuse und die Hinterachse in Hinwil. “Die Antriebserprobung, bestehend aus Power Unit und Getriebe läuft dann auf unserem Powertrain-Prüfstand. Diese Aufteilung ist aus Performance- und Kompetenzsicht zielführend”, ist sich Dreyer sicher.

Wenn Audi 2026 zum ersten Mal in einer Formel-1-Startaufstellung steht, soll aus Audi-Perspektive idealerweise Carlos Sainz als Teamkollege von Nico Hülkenberg die Farben des deutschen Automobilherstellers tragen. Doch die Entscheidung des Spaniers über seine Zukunft steht nach wie vor aus. Die neuesten Entwicklungen zu Sainz’ Zukunft lest Ihr hier: