Die Autos in der modernen Formel 1 laufen wie ein Uhrwerk. Bis vor weniger als zwei Jahrzehnten waren technisch bedingte Ausfälle noch ein Standard-Szenario in jedem Grand Prix. Erst in den letzten Jahren wurden Unfälle zum Ausfallgrund Nummer 1. Grands Prix mit mehr als einem DNF aufgrund von technischen Gebrechen, wie am vergangenen Wochenende in Australien, sind mehr als unüblich.

Kein Wunder also, dass die Serien, die Fahrer zwischen zwei Ausfällen hinlegen, immer länger werden. Verstappen kratzte vor seinem Aus beim Australien-GP sogar am Rekord von Lewis Hamilton in dieser Kategorie. Wir haben die zehn längsten Serien an Zielankünften aufgelistet.

Platz 9 – Esteban Ocon: 27 Rennen

Esteban Ocon feierte einen ungewöhnlichen Start in seine Formel-1-Karriere. Der Mercedes-Nachwuchspilot, der beim Nachzüglerteam Manor zur Saisonmitte 2016 anstelle von Rio Haryanto in die Königsklasse einstieg, schien den heiligen Gral gegen Ausfälle gefunden zu haben. Mit Manor erreichte er bei jedem Rennen das Ziel und in seiner ersten vollen Saison bei Force India waren ihm die Technik-Götter ebenfalls hold. Erst beim vorletzten Rennen des Jahres beendete Romain Grosjean in Ocons 28. Rennen dessen Serie. Anschließend verlor der Franzose seine Superkraft. 2023 war er beispielsweise sogar der Fahrer mit den meisten DNFs, allerdings waren diese meist technischen Ursprungs.

Esteban Ocon fiel erst im 28. Rennen seiner Formel-1-Karriere zum ersten Mal aus, Foto: Sutton
Esteban Ocon fiel erst im 28. Rennen seiner Formel-1-Karriere zum ersten Mal aus, Foto: Sutton

Platz 9 – Nico Rosberg: 27 Rennen

Den neunten Platz in dieser Statistik teilt sich Ocon mit keinem geringeren als Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg. Rosberg gelang seine Serie allerdings noch lange bevor dieser bei Mercedes um Spitzenplätze mitfuhr, sondern bei Williams. Der Williams war 2008 und 2009 keine Offenbarung, aber er war immerhin zuverlässig und erreichte zwischen dem Kanada-GP 2008 und dem Großen Preis von Japan 2009 immer das Ziel, allerdings auch nur einmal das Podium. Ein Getriebe-Schaden beendete die Serie in Sao Paulo.

Der Williams war 2008 und 2009 zwar nicht schnell, aber zuverlässig, Foto: Sutton
Der Williams war 2008 und 2009 zwar nicht schnell, aber zuverlässig, Foto: Sutton

Platz 8 – Fernando Alonso: 29 Rennen

Nicht erfolgreich, aber dafür auch nicht defektanfällig. Diese Beschreibung trifft auch auf die letzten beiden Ferraris zu, die Fernando Alonso pilotierte. Wobei man damit dem F138 ein bisschen unrecht tut, denn mit diesem gewann Alonso immerhin zwei Rennen. Darunter auch bei seinem Start in die Ausfalllos-Serie beim China-GP 2013. Mit dem Nachfolger schaffte es der Spanier nur zweimal aufs Podium, aber bis Italien immerhin jeweils ins Ziel. In Monza mussten die Tifosi schließlich mit ansehen, wie gemeinsam mit dem Ferrari-Motor auch die Glückssträhne von Alonso in Rauch aufging.

Die Serie von Fernando Alonso endete in Monza 2014, Foto: Sutton
Die Serie von Fernando Alonso endete in Monza 2014, Foto: Sutton

Platz 7 – Kimi Räikkönen: 30 Rennen

Genauso wie Ocon einige Jahre später schien auch Kimi Räikkönen nach seinem Formel-1-Comeback bei Lotus irgendein Elixier abbekommen zu haben, das ihn vor Ausfällen schützte. 2012 erreichte der Finne bei jedem Rennen das Ziel, im Folgejahr hielt sein Lauf immerhin bis Belgien. Dort stoppte ein Bremsschaden die Serie. Immerhin 30 Rennen am Stück ohne DNF. Vor seinem Abschied aus der Formel 1 2009 erreichte Räikkönen übrigens auch achtmal in Folge das Ziel. Wenn man also nur die Rennen einberechnet, bei denen er auch an den Start ging, hatte er einen Lauf von 38 Grands Prix ohne Ausfall.

Kimi Räikkönen schied 2012 kein einziges Mal aus, Foto: Sutton
Kimi Räikkönen schied 2012 kein einziges Mal aus, Foto: Sutton

Platz 6 – Carlos Sainz: 31 Rennen

Eine gesamte Saison ohne Ausfall. Das bekam auch Carlos Sainz hin. Nämlich in seinem ersten Ferrari-Jahr 2021. Zuvor hatte er bei seinen letzten sieben McLaren-Rennen jeweils die karierte Flagge gesehen. Im Gegensatz zu Räikkönen beendete er seine Serie aber selbstverschuldet. Nachdem Sainz mit zwei Podien in die Saison 2022 gestartet war, versuchte er sich im schnellsten Auto auf dem Grid beim Australien-GP 2022 nach einem verpatzen Qualifying und Anti-Stall am Start mit zwei Messern zwischen den Zähnen wieder durchzuarbeiten. Anstatt auf dem Podium beendete er den Grand Prix aber bereits nach einer Runde im Kies. Ein Überholversuch gegen Mick Schumacher hatte sich als überambitioniert erwiesen.

Carlos Sainz' Rekordserie endete im Australien-Kiesbett, Foto: LAT Images
Carlos Sainz’ Rekordserie endete im Australien-Kiesbett, Foto: LAT Images

Platz 4 – Lewis Hamilton: 33 Rennen

Lewis Hamilton war in seinen erfolgreichsten Mercedes-Jahren ein Inbegriff an Beständigkeit. Nachdem ihm sein Motor beim Malaysia-GP 2016 einen Strich durch die Weltmeisterschafts-Rechnung gemacht hatte, revanchierte sich die Mercedes-Technik mit fünf Jahren fast ohne größeren Defekt. Beim Österreich-GP 2018 blieb sein Auto mit einem Benzindruck-Problem liegen, nur um anschließend erneut eine Serie ohne Ausfälle zu starten. Aber dazu später mehr.

Lewis Hamilton feiert mit seinem Team im Parc Ferme nach dem Sieg in Spanien 2017
Lewis Hamilton konnte sich 2017 nicht nur über den WM-Titel, sondern auch über eine Saison ohne Ausfall, Foto: LAT Images

Platz 4 – Nick Heidfeld: 33 Rennen

Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen die Regel. Und so auch der älteste Eintrag in dieser Top-10-Liste. Denn diesen hält Nick Heidfeld zwischen 2007 und 2009. Ein Defekt zwei Runden vor Schluss beim Japan-GP 2007 war der letzte Streik, den sich sein Bolide für die nächsten beinahe zwei Jahre leistete. Der BMW Sauber F1.09 war zwar nicht immer für Punkte gut, hielt aber genauso wie sein Vorgänger immerhin bis ins Ziel durch. Dass Adrian Sutil seinen Landsmann beim Singapur-GP 2009 ungeschickt torpedierte und die Serie damit beendete, kann man nicht dem Auto anlasten.

Nick Heidfeld nach seinem Aus beim Singapur-GP 2009, Foto: Sutton
Nick Heidfeld nach seinem Aus beim Singapur-GP 2009, Foto: Sutton

Platz 3 – Daniel Ricciardo: 34 Rennen

Daniel Ricciardo hatte in seiner ersten Saison einige Probleme mit dem MCL36. Die Zuverlässigkeit war keines davon. Denn es dauerte bis zum viertletzten Saisonrennen in Sao Paulo, ehe ein Leistungsverlust den Australier stoppte. Dass sein letzter Renault-Dienstwagen 2020 ebenfalls lief wie eine eins (zumindest was die Zuverlässigkeit angeht) verhalf ihm damit zu insgesamt 34 Rennen ohne einen einzigen Ausfall. Nur die Hitze in Österreich beim Saisonstart erwies sich als Endgegner für den R.S.20.

Daniel Ricciardos Monza-Sieg war Teil einer beeindruckenden Serie, Foto: LAT Images
Daniel Ricciardos Monza-Sieg war Teil einer beeindruckenden Serie, Foto: LAT Images

Platz 2 – Max Verstappen: 43 Rennen

Immerhin auf 43 Rennen ohne einen Ausfall brachte es Max Verstappen mit der Serie, die beim Australien-GP in Melbourne am vergangenen Wochenende zu Ende ging. Den letzten Ausfall zuvor hatte Verstappen ebenfalls in Australien zu verbuchen, nämlich 2022. Damit schließt sich der Kreis zu Carlos Sainz, dessen Lauf in genau diesem Rennen endete. Bei Verstappen war ein Benzinleck für den Nuller verantwortlich. Das damalige Aus des Red-Bull-Piloten schien die WM klar in Richtung von Charles Leclerc und Ferrari kippen zu lassen. Doch in der Folge war es die Scuderia, bei der die Technik des Öfteren streikte.

Der Red Bull von Max Verstappen raucht und sorgt für den Ausfall
Das feurige Ende von Max Verstappens Serie ohne Ausfall, Foto: LAT Images

Platz 1 – Lewis Hamilton: 48 Rennen

“In jedem Ende liegt ein neuer Anfang”. Dieser billige Kalenderspruch schien das Motto nach Lewis Hamiltons Ausfall beim Österreich-GP 2018 gewesen zu sein. Seine 33 Zielankünfte in Serie schafften es ja schon auf P4 in dieser Liste, doch nach dem Aus in Spielberg setzte er zu einem noch längeren Lauf an. Über zwei Jahre lang beendete Hamilton jedes Formel-1-Rennen, ehe passenderweise nicht etwa ein Defekt oder ein Unfall diese Serie beendete, sondern eine Virus-Infektion. Den ersten Ausfall innerhalb von drei Jahren fügte ihm Max Verstappen 2021 beim Italien-GP durch eine Kollision zu. Also schlappe 62 Starts nach dem Österreich-Aus.

Unfall beim Deutschland-GP 2019: Lewis Hamilton erreichte trotzdem das Ziel, Foto: LAT Images
Unfall beim Deutschland-GP 2019: Lewis Hamilton erreichte trotzdem das Ziel, Foto: LAT Images