Die Formel 1 gastiert am kommenden Wochenende wieder in Monaco. Der Grand Prix im Fürstentum ist nicht für viel Action im Rennen bekannt, dafür aber für eine einzigartige Strecke, für ein spektakuläres Qualifying und für – nach wie vor – Partystimmung auf den Yachten rund um das Event. Der Glamour-GP in Monaco ist zwar aufgrund seiner Überholfeindlichkeit umstritten, aber dennoch ein Fixpunkt im Kalender der Königsklasse. Welche Geschichten könnten das kommende Wochenende prägen?

1. Brennpunkt: Hält McLarens Höhenflug an?

2. Platz in China, Sieg in Miami, 2. Platz in Imola. Lando Norris befindet sich derzeit mit McLaren auf einem Höhenflug, der es in sich hat. Vor allem seit den Upgrades, die das Team beim ersten USA-Rennen des Jahres brachte, steht der MCL38 dem Red Bull von Max Verstappen in nichts nach. Ganz im Gegenteil: Bereits der Renntrimm in Miami lag bei Norris deutlich über dem Niveau des RB20.

In Imola schien der Wagen von Norris sowohl im Qualifying als auch über die Distanz im Rennen die bessere Performance zu bieten. Sein unglaubliches Talent und ein bisschen Windschatten-Hilfe brachten Verstappen zu Pole und Sieg. Was die Papaya-Orangen aber in den vergangenen Wochen feststellen: Ihr neuer Bolide ist nicht nur in den schnellen Kurven stark, so wie er das im Vorjahr war. 2025 punktet er auch – oder sogar vor allem – in den langsamen Ecken. Ein gutes Rezept für den Monaco-GP.

2. Brennpunkt: Enge Gassen, enge Kurven

Monaco ist nicht der einzige Straßenkurs im Formel-1-Kalender. Es ist auch nicht die einzige Strecke im Kalender, auf der Überholen extrem schwierig ist und inzwischen auch nicht mehr die Einzige, die am Hafen liegt oder die einzige, rund um die sich Stars und Promis drängen. Dennoch ist und bleibt Monaco etwas Besonderes.

Nur wenige Strecken können damit prahlen, dass sie seit den 50er-Jahren (mit Ausnahme der Corona-Krise) ununterbrochen Teil der Formel 1 waren und das mit minimalen Layout-Änderungen. Nein, das kann tatsächlich keine Strecke von sich behaupten. Überholen ist in Monaco fast ein Ding der Unmöglichkeit, wenn es dann aber Positionsveränderungen auf der Strecke gibt, dann sind diese erst recht spektakulär und finden immer mit der Brechstange statt.

Foto: Red Bull Content Pool
Foto: Red Bull Content Pool

Der Null-Reifenverschleiß-Kurs und der enorme Stau-Effekt machen das Rennen strategisch auch zu einer einzigartigen Angelegenheit, die oft kontraintuitiv erscheinen. Man erinnere sich an 2016, als Lewis Hamilton trotz abtrocknender Strecke auf Full-Wets blieb, da er so die Führung halten konnte. Dazu kommt eines der besten Qualifyings des Jahres. Die Pole ist in Monaco zwar nicht alles, aber häufig doch schon entscheidend.

3. Brennpunkt: Findet Alonso wieder in die Spur?

Fernando Alonso kratzt seit zwei Grands Prix an seinem Status als Aston-Martin-Anführer und Punktegarant. In Miami staubte er zwar noch zwei Zähler ab, allerdings nur mit Glück. In Imola war nach seinem Unfall im Training und einem frühen Aus im Qualifying nichts mehr von ihm zu sehen. Beide Male war Lance Stroll der bessere Aston-Martin-Fahrer.

Das gibt etwas Anlass zur Sorge: Befindet sich der 42-Jährige tatsächlich auf dem absteigenden Ast und ist langsam aber sicher zu alt für diesen Sport oder kann er in Monaco wieder alle Kritiker Lügen strafen? Zweiteres wäre ihm zuzutrauen. 2023 verpasste der Monaco-Sieger von 2006 die Pole Position im Fürstentum nur knapp und landete schließlich auf dem zweiten Rang. Mit so starken Resultaten ist in diesem Jahr unabhängig von seiner eigenen Leistung kaum zu rechnen. Monte Carlo ist zwar für einige Überraschungen gut, aber der Aston Martin zählt wohl auch hier eher zu den Außenseitern.

4. Brennpunkt: Logan Sargeant auf der Abschussliste

Der Fahrermarkt für 2025 dreht sich. Doch nicht nur das, auch in der noch laufenden Saison könnte das Karussell ein Opfer fordern. Nämlich Logan Sargeant. Der US-Amerikaner machte auch in seiner zweiten Formel-1-Saison bislang keinen echten Schritt nach vorne, ist Alex Albon klar unterlegen und von Punkten meilenweit entfernt.

Williams verliert langsam die Geduld mit ihm. Eine Trennung noch während der laufenden Saison steht nicht nur im Raum, sondern wird immer wahrscheinlicher. Es fehlt aber eine gute Alternative. Rund um Mercedes-Junior Andrea Kimi Antonelli wurde es etwas ruhig, da er allem Anschein nach keine Ausnahme-Regelung für eine Superlizenz erhält und Williams den Nachwuchs-Piloten, der erst Ende August 18 Jahre alt wird, für 2025 nicht unbedingt übernehmen will.

Denn für das zweite Cockpit neben Albon im kommenden Jahr steht derzeit Valtteri Bottas groß auf dem Zettel. Das könnte zumindest für ein halbes Jahr eine Tür für Mick Schumacher öffnen, der ja bereits zwei Formel-1-Jahre für Haas auf dem Buckel hat und somit etwas Erfahrung mitbringt. Aber auch Namen wie Jack Doohan werden genannt.

Fährt Mick Schumacher bald wieder F1? Danner: Jetzt oder nie! (32:44 Min.)

5. Brennpunkt: Spezielle Strecke, spezielle Lackierungen

Falls McLaren an diesem Wochenende tatsächlich vorne mitfährt, dann werden sie dies aber nicht in Papaya-Orange tun. Für Monaco nutzt die Mannschaft aus Woking eine Sonderlackierung und nicht nur irgendeine. Anstatt irgendwelchen Sponsoren eine zusätzliche Bühne zu bieten, wie es bei Sonderdesigns so oft der Fall ist, wurde das gesamte Auto in Anlehnung an Ayrton Senna designt.

Gelb, Grün, Blau. So wie die brasilianische Nationalflagge und so wie der Helm der Formel-1-Legende wird der MCL38 von Lando Norris und Oscar Piastri in dem Stadtstaat am Mittelmeer lackiert. Norris stellte ein eigenes Helm-Design zu Ehren von Senna in Aussicht. Doch nicht nur McLaren hat sich für Monaco etwas besonderes einfallen lassen.

Rendering der Sonderlackierung von McLaren beim Monaco GP der Formel 1 2024 zu Ehren von Ayrton Senna.
So sieht der Senna-McLaren in Monaco aus, Foto: McLaren Racing Limited

Auch Williams hat seine Lackierung adaptiert seine Lackierung für das Rennwochenende etwas. In ihrem Fall zwar auch mit einer bekannten ‘Persönlichkeit’, aber eben nur aus Sponsoren-Gründen. Beim GP in Monte Carlo befindet sich das Duracell-Häschen erstmals auf der Motorabdeckung des FW46. Der Batterie-Produzent ist seit 2022 ein Partner der Formel-1-Mannschaft aus Grove.