Der Circuit Zandvoort wird 1948 in Betrieb genommen, vier Jahre später ist die Formel erstmals zu Gast und bleibt mit kleinen Pausen bis 1985 fester Bestandteil im Rennkalender.

Alberto Ascari gewinnt in einem Ferrari das erste Formel 1 Rennen in den Dünen an der Nordseeküste, Niki Lauda das bis heute letzte. In den Jahren dazwischen gibt es zahlreich schwere Unfälle, leider auch mit Todesopfern und Schwerverletzten.

Nicht ungewöhnlich für die damalige Zeit, diese Schreckensszenarien sind Teil einer jeden Traditions-Rennstrecke.

Zandvoort: Wenige Anpassungen nötig

Dass der Dünenkurs aber nicht aus der Zeit gefallen ist, zeigt die Tatsache, dass für eine sicherheitsrelevante Abnahme durch den Motorsport-Weltverband nur kleinere Anpassungen notwendig sind. Zwei Kurven, die Hugenholzbocht und die Hans Ernst Bocht werden von ihrem Radius her leicht angepasst und flüssiger gestaltet.

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Aus der Arie Luyendjkbocht wird ein Banking, also eine Kurvenüberhöhung mit 18 Grad. Das dahinter liegende Kiesbett wird augetauscht durch Safer-Barriers. Die Auslaufzone nach der Mastersbocht, sprich Kurve 8, wird von Gras auf Kies umgewandelt, um abfliegende Autos besser runterbremsen zu können. That’s it!

Die Strecke erfordert echten Mut

Keine großen Eingriffe in die vorhandene Charakteristik – das zeigt, dass die Strecke den heutigen Sicherheitsbestimmungen entspricht. Sie ist eine echte Herausforderung, an vielen Stellen gibt es so gut wie keine Auslaufzonen. Aber so what? Schließlich ist das in Melbourne, Monaco, Singapur und Baku zum Beispiel auch nicht anders.

Durch die Einbettung in die Dünenlandschaft gibt es Kuppen, auf die man zurast, ohne den weiteren Verlauf der Strecke zu sehen. Einige Kurven erfordern echten Mut, um da voll durchzustechen. Und das hebt diese Strecke von den modernen Retortenkursen ab. Das fahrerische Können macht in Zandvoort noch einen größeren Unterschied.

Damit die Strategen sich austoben können, wird zudem die Boxengasseneinfahrt verkürzt, um eine Drei-Stopp-Strategie zu ermöglichen.

Der Sand macht keine Probleme

Der Sand ist für die Motorentechniker keine zusätzliche Herausforderung. Dadurch, dass der Sandkasten von Bahrain seit vielen Jahren im Programm ist, gibt es entsprechende Filter und Zusatzschutzteile, damit die Antriebe nicht geschädigt werden.

Wie in der Sakhir-Wüste, so auch in Zandvoort: Der Wind bläst mal mehr, mal weniger Sandkörner auf den Asphalt. Die Teams wissen aber genau, wie man damit umgehen muss. 

Lästig und tückisch kann der Wind werden. Die heutigen Formel 1-Boliden sind aufgrund ihrer Aerodynamik sehr windanfällig. Böse Überraschungen sind da immer möglich, heftige Windböen am Red Bull Ring haben das in dieser Saison schon gezeigt.

Die Strecke in Zandvoort liegt direkt neben dem Strand, der von der Meerseite her ungebremst angeblasen wird. Die Sturmbedingungen des vergangenen Wochenendes beim ADAC GT Masters mit Windgeschwindigkeiten um die 100 km/h dürften für die heutige Formel 1 durchaus eine Gefahr darstellen.

Aber wie oft hat man diese Windstärken? Das vergangene Wochenende war selbst für die Wind gewohnten Einwohner eine Ausnahmeerscheinung.

Die große Baustelle: Infrastruktur

Was die Infrastruktur angeht, gibt es dringend notwendige Verbesserungen. So wird ein nagelneues großräumiges Pressezentrum im Infield direkt neben den Boxen am Ende der Boxengasse erstellt.

Die Boxenanlage als solche wird ausgebaut, die Boxen um acht Meter nach hinten verlängert, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen.

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Zahlreiche neue Tribünen wird es geben, denn Reinkuscheln in den Dünensand als Natursitzplatz ist nicht jedermanns Sache. Aber über weite Strecken, zum Beispiel entlang der langgezogenen Scheivlak-Kurve bleiben die Dünen unverändert. Dort können die Fans sich dann nach eigenem Gusto ihren Platz aussuchen.

Die Anreise durch das Nadelöhr

Etwas Sorge bereitet die Anreise: Im Prinzip gibt es nur eine einspurige Zufahrtsstraße. Auf der einen Seite von Harlem kommend, auf der anderen direkt durch Zandvoort hindurch. Ein Nadelöhr, welches den Anstum niemals gewachsen ist.

Ein Ausbau ist nicht möglich, Raum für größere Parkplatzflächen gibt es keinen. Die Veranstalter setzen deshalb auf ein vielschichtiges Verkehrskonzept. Zandvoort wird weiträumig abgesperrt, mit Fahrzeugen kommt man nur mit Sondergenehmigung rein. Weit vor Zandvoort wird es großflächige Parkplätze geben.

Eng getacktete Shuttle-Busse sollen für einen reibungslosen schnellen Transport an die Strecke sorgen. Dazu werden tausende Mietfahrräder an den Sammelparkplätzen angeboten mit entsprechend professionellen Abstellmöglichkeiten an der Rennstrecke.

Schnelle Verbindung mit Amsterdam

Die Zugverbindung von Zandvoort nach Amsterdam wird modernisiert, eine Schnellzugverbindung im Minutentakt ohne Zwischenstopp wird dafür sorgen, dass man in wenigen Minuten die 30 Kilometer ins Stadtzentrum der Metropole überbrückt. Zandvoort verfügt nicht über die notwendige Hotelstruktur, Amsterdam schon.

Wer sich einmal an die Rennstrecken in Silverstone oder Le Castellet geplagt hat, wird dieses Service-Angebot als hypermodern und angenehm empfinden.

Die Holländer mit ihrer Leidenschaft, ihrer Gastfreundschaft und ihrer Feierfreude werden den Grand Prix der Niederlande zu einem Highlight-Event machen. Ganz sicher. Oranje boven!