BeimSpanien GP in Barcelona testete die Formel 1 erstmals eine neue Kamera. Der Motorsportweltrat hatte dafür extra Änderungen im Technischen Reglement verabschiedet – doch die Zuschauer bekamen von der Neuerung noch nichts zu sehen. Motorsport-Magazin.com konnte die Neuerung aber schon unter die Lupe nehmen.

In Version sechs des Reglements für die Formel-1-Saison 2024 wurde die zusätzliche Kameraposition definiert. Position sechs befindet sich direkt auf oder sogar in der hinteren Crash-Struktur. Die Kamera soll für spektakuläre Bilder aus dem Heck des Fahrzeugs sorgen. Für nach hinten gerichtete Bilder gibt es bislang nur eine Kamera an der Seite der Airbox.

Seit Barcelona sind die Teams dazu verpflichtet, eine Kamera im Heck anzubringen, wenn sie dazu von der Formel 1 aufgefordert werden. Trotzdem gab es beim Spanien GP noch keine Bilder für die TV-Zuschauer. Das liegt daran, dass die ersten Tests noch nicht ganz problemlos verlaufen sind. Nur zwei Autos waren beim GP mit der Kamera ausgestattet.

Heck eines Formel-1-Autos beim Spanien-GP 2024 in Barcelona; Technik-Bild
Bei Ferrari befindet sich die Kamera in einem Gehäuse auf der Crash-Struktur, Foto: Motorsport-Magazin.com

Am McLaren von Oscar Piastri war die Kamera im Inneren der Crash-Struktur direkt oberhalb der Regenleuchte angebracht. Beim Ferrari von Charles Leclerc war die Kamera in einem extra Gehäuse, das auf der Crash-Struktur saß. Das Reglement erlaubt beide Varianten, weil nicht bei allen Teams ausreichend Platz innerhalb der Crash-Struktur ist.

Vor dem Start des Rennens putze ein Formel-1-Mitarbeiter die Linse der Kamera gründlich mit einem Wattestäbchen. Die Position der Kamera ist prädestiniert für Verschmutzungen: Die Kurbelgehäuseentlüftung wird über kleine Schläuche ans Ende der Crash-Struktur geführt. Entsprechend können die Linsen von heißem Öl verschmiert werden.

Arbeiten am Heck des McLaren MCL36 auf dem Grid (Startaufstellung) beim Spanien-GP 2024 in Barcelona; Technik-Bild
Ein Formel-1-Mitarbeiter reinigt die Kameralinse vor dem Start, Foto: Motorsport-Magazin.com

Die Kameras sind winzig klein, selbst mit extra Gehäuse sind sie kaum größer als ein Feuerzeug. Über ein Kabel werden die Kameras mit dem Strom und mit der Übertragungs-Einheit verbunden. Die Entscheidung, ob ein Auto mit der Heck-Kamera ausgestattet wird, liegt bei der Formel 1. Der Kommerzielle Rechteinhaber kann sich aussuchen, ob zusätzlich zu den normalen Kamerapositionen eine Helm-Kamera oder eine Heck-Kamera installiert werden muss.

Muss ein Team keine zusätzliche Kamera anbringen, gibt es ein entsprechendes Ballastgewicht. Dann müssen 350 Gram am Ort des Verarbeitungsprozessors, der eigentlich für die Kelm-Kamera vorgesehen ist, angebracht werden.

Kamerapositionen beim Formel-1-Auto
Seit dem Spanien GP müssen die Teams an Position 6 eine Kamera anbringen können, Foto: FIA

Während es bei Helm- und Heck-Kamera entweder oder heißt – und gegebenenfalls auch nur ein Ballastgewicht zum Einsatz kommt -, sind auch die restlichen Kamerapositionen nicht immer mit Inhalt gefüllt. Allerdings haben dort die Gehäuse einen so großen aerodynamischen Einfluss, dass – sollten keine Kameras zum Einsatz kommen – Dummies angebracht werden, die in Form, Größe und Gewicht völlig identisch sind.