Beim Formel-1-Rennen in Barcelona war Ferrari erneut chancenlos im Kampf um den Sieg und letztendlich auch unterlegen im Kampf gegen Mercedes. Denn Lewis Hamilton fuhr eine Position vor seinem Teamkollegen George Russell auf das Podium, während sich die Ferraris dahinter anstellen mussten.

Das kam nicht nur, aber möglicherweise auch, aufgrund eines umstrittenen Manövers des Formel-1-Rekordweltmeisters in Kurve 1 zustande. Ein Manöver, das eigentlich über dem Limit war, zumindest wenn man Carlos Sainz fragt. In Runde 19 überholte Hamilton in Kurve 1 innen den Spanier mit einem späten Bremsmanöver, dabei kam es zu einem leichten Kontakt zwischen dem Ferrari-Piloten und seinem zukünftigen Nachfolger.

Hamilton schubst sich an Sainz vorbei: War das unfair?

Sainz ging der Platz aus und Hamilton konnte vorbeiziehen. Der Madrilene war über das Manöver überhaupt nicht erfreut: “Er hat mich berührt, er hat mich von der Strecke geschubst”, schimpfte er am Funk. Die Stewards sahen darin kein Vergehen und beendeten die darauffolgende Untersuchung ohne Schuldspruch.

Das rief in Sainz nur noch mehr Ärger hervor: “Ich verstehe nicht, warum wir ein Regelbuch haben, wenn wir es dann nicht befolgen.” Hamilton sah die Aktion naturgemäß anders als der Lokalmatador: “Alle Überholmanöver waren sehr eng. Ich denke wir hatten eine leichte Reifenberührung, aber es war fair und ich habe ihm Platz gelassen.”

Auch wenn es für Sainz, der letztendlich auf der sechsten Position ins Ziel fuhr, womöglich nicht rennentscheidend war, störte sich der Spanier nach dem Rennen nach wie vor an dem Überholvorgang “Ich hatte das Gefühl, dass er mich von der Strecke gedrückt hat, und ich war eine halbe Wagenlänge vorne.”

Sainz vs. Leclerc: Kontakt im Ferrari-Duell

Den damit verbundenen Freispruch der Rennkommissare für Hamilton kann er nicht nachvollziehen: “Normalerweise war es in diesem Jahr die Regel, dass wen man eine halbe Wagenlänge außen vorne ist, dann muss man Platz lassen. So haben die Stewards in diesem Jahr entschieden und ich versuchte von dieser Regel zu profitieren.”

Es war nicht die einzige Berührung, die Sainz an dieser Stelle zu verzeichnen hatte. In Runde 3 gab es bereits Kontakt zwischen ihm und ausgerechnet seinen eigenen Teamkollegen, Charles Leclerc. Der Monegasse versuchte einen Angriff in Kurve 1 innen zu verteidigen, Sainz schaffte es zwar außen vorbei, wurde aber wiederum von Leclerc touchiert und musste deshalb über die Auslaufzone ausweichen. Aber der noch vertraglose Fahrer für die Formel-1-Saison 2025 blieb in diesem Fall vorne.

Carlos Sainz gegen die Stewards: Warum gelten andere Regeln?

Sainz bezieht sich mit seiner Kritik wohl auf Fälle wie jenen von Fernando Alonso im China-Sprint, der ebenfalls bei einem Überholversuch gegen ihn, den Ferrari mit der Nummer 55 von der Strecke drängte und in der Folge bestraft wurde. Doch ob der Fall beim Spanien-GP ähnlich gelagert ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Denn Hamilton war am Scheitelpunkt der Kurve deutlich weniger als eine halbe Fahrzeuglänge hinter Sainz.

“Ich will damit nicht sagen, dass er zu hart gefahren wäre oder nicht. Ich möchte nur, dass die Stewards versuchen, die Regeln so anzuwenden, wie sie es bislang in dieser Saison getan haben”, nahm Sainz Hamilton selbst aus der Schusslinie.

Der weitere Rennverlauf wurde abgesehen von der offenbar etwas schwächeren Ferrari-Pace im Vergleich zum Mercedes, vor allem durch eine Strategie-Entscheidung beeinflusst. Sainz erhielt beim letzten Boxenstopp die harten Reifen. Teamkollege Leclerc, der später die Box ansteuerte, erhielt den weichsten Reifensatz.

Doch die Hards funktionierten nicht gut und so musste Sainz Leclerc auf dem Weg ins Ziel kampflos vorbeilassen. In einem Punkt waren sich beide Ferrari-Piloten einig: Red Bull, McLaren und Mercedes waren in Barcelona alle eine Spur zu stark.