Der Weg zum ersten Sieg in der Formel 1 ist häufig ein steiniger. Verschiedenste Faktoren können dafür sorgen, dass ein Fahrer für eine lange Zeit oder sogar nie die oberste Stufe des Podestes besteigen darf. Beim jüngsten Miami GP konnte sich Lando Norris endlich als Formel-1-Sieger krönen und gab damit den Rekord für den meisten Podestplätze ohne Sieg an den Deutschen Nick Heidfeld zurück (13 Podien ohne Sieg). Doch für den Rekord der meisten Rennen ohne Sieg fehlte dem McLaren-Fahrer noch ein bisschen. Ein Überblick über die Top 10.

Platz 10: Mika Häkkinen – 96 Rennen

Mika Häkkinen ist der erste auf dieser nicht unbedingt begehrenswerten Liste. Der zweifache Weltmeister brauchte seit seinem Formel-1-Dabüt bei Lotus im Jahr 1991 insgesamt 96 Versuche, ehe er das erste Mal einen Grand Prix gewinnen konnte. Dennoch war der Premierensieg des damaligen McLaren-Piloten eher eine Randnotiz. Denn Häkkinen gewann sein erstes Rennen beim Europa GP 1997, also dem Rennen, in dem Micheal Schumacher und Jacques Villeneuve im Kampf um die Weltmeisterschaft im letzten Rennen der Saison kollidierten. Villeneuve gewann die WM, Häkkinen war der lachende Dritte, bzw. Erste.

Mika Häkkinen auf dem Podium für den Europa GP 1997
1997 gewann Mika Häkkinen sein erstes Rennen, Foto: LAT Images

Platz 8: Lando Norris & Giancarlo Fisichella – 110 Rennen

Den achten bzw. neunten Platz in der Liste teilt sich der frischgebackene Sieger mit dem Italiener Giancarlo Fisichella. Für Lando Norris, der mit acht zweiten Plätzen seinen Premierensieg so oft knapp verpasste, kam die Erlösung beim Miami GP 2024. Eine starke McLaren-Pace, ein schwächelnder Verstappen, sowie etwas Safety-Car-Glück sorgten dafür, dass der McLaren-Fahrer in seiner sechsten Formel-1-Saison endlich jubeln durfte. Hier gibt es mehr zu Norris’ Sensationserfolg zu lesen.

Auch bei Giancarlo Fisichella dauerte es bis zum 110. Rennen, ehe er ein erstes Mal gewinnen konnte. Beim Brasilien GP im Jahre 2003 war es so weit. Bei strömenden Regen überholte Fisichella, der damals für Jordan fuhr, Kimi Räikkönen in Runde 54 und eroberte sich die Führung. Kurz darauf wurde das Rennen mit einer roten Flagge abgebrochen und Räikkönen wurde zunächst als Sieger erklärt, da in so einem Fall das Ergebnis zwei Runden vor Abbruch gewertet wurde. Einige Tage später wurde jedoch ein Fehler in der Zeitmessung festgestellt, und Fisichella wurde nachträglich zum Sieger erklärt. Der Italiener gewann noch zwei weitere Rennen in seiner Karriere.

Fisichella triumphierte in Brasilien 2003, Foto: Sutton
Fisichella triumphierte in Brasilien 2003, Foto: Sutton

Platz 7: Nico Rosberg – 111 Rennen

Ein Rennen mehr brauchte Nico Rosberg für seinen ersten Sieg. Mit Williams, bei dem Rosberg seine Formel-1-Karriere startete, gelang der Erfolg allerdings nicht. Lediglich zu einem Podium hat es für den Deutschen beim Traditionsteam gereicht. Doch nach seinem Wechsel zu Mercedes sollte sich das ändern. Zwei Jahre nachdem Rosberg beim Stuttgarter Autobauer unterschrieb, konnte er seinen ersten GP gewinnen. Mit dem Sieg beim China GP 2012, bei dem Rosberg von der Pole Position dominierte, holte der Deutsche gleichzeitig den ersten Mercedes-Sieg seit der Rückkehr und leitete die Dominanz der Silberpfeile ein.

Nico Rosberg beim China GP 2012, Foto: Sutton
Nico Rosberg beim China GP 2012, Foto: Sutton

Platz 6: Jenson Button – 113 Rennen

Bei Jenson Buttons erstem Sieg beim Ungarn GP 2006 macht der Brite seinem Ruf als Meister der schwierigen Bedingungen alle Ehre. Zehn Podestplätze hatte der spätere Weltmeister von 2009 damals vorzuweisen, ein Sieg fehlte ihm allerdings in seiner Vita. In Budapest war es dann endlich so weit. Button startete, dank einer Grid-Strafe für das Austauschen seines Motors, von Platz 14, reagierte jedoch in Kombination mit seinem Team Honda richtig auf die wechselnden Bedingungen und war nach 70 teils chaotischen Runden erstmaliger Grand-Prix-Sieger vor Pedro de la Rosa.

Platz 5: Jarno Trulli – 117 Rennen

Der Monaco GP 2004 war die Geburtsstunde des ‘Trulli-Train’. Jarno Trulli, der in 116 Rennen in der Königsklasse noch kein einziges Mal gewinnen konnte, zog an diesem Tag einen gewaltigen Zug an Autos hinter sich her. Überholen konnte den damaligen Renault-Fahrer allerdings niemand. Monaco war auch mit den damaligen deutlich kleineren Autos alles andere als ein Überholparadies. Bis zur letzten Runde biss sich Jenson Button die Zähne an Trulli aus. Es sollte der erste und einzige Sieg des Italieners in der Formel 1 werden.

Jarno Trulli verteidigte seinen ersten Platz bis zuletzt, Foto: Sutton
Jarno Trulli verteidigte seinen ersten Platz bis zuletzt, Foto: Sutton

Platz 4: Rubens Barrichello – 124 Rennen

Sieben Jahre oder 124 Rennen dauerte es, ehe Rubens Barrichello sein erstes Rennen in der Formel 1 gewinnen konnte. Mit starken Leistungen bei Jordan und Stewart machte der Brasilianer auf sich aufmerksam, ehe er im Jahr 2000 als des designierte Nummer 2 für Michael Schumacher zu Ferrari wechselte. Noch in derselben Saison setzte Barrichello seiner Sieg-Flaute ein Ende, genauer gesagt beim Deutschland GP. Von Platz 18 aus arbeitete sich der Ferrari-Fahrer nach vorne, blieb in der Schlussphase des Rennens trotz Regen auf der Strecke und brachte seinen Boliden auf Platz 1 über die Ziellinie. Die emotionalen Bilder auf dem Podium sind bis heute bekannt.

2000 wurde es beim Deutschland GP emotional, Foto: Sutton
2000 wurde es beim Deutschland GP emotional, Foto: Sutton

Platz 3: Mark Webber – 130 Rennen

Als Teamkollege von Sebastian Vettel hatte Mark Webber in seiner Red-Bull-Zeit häufig das Nachsehen. Doch ausgerechnet bei Vettels Heimrennen, dem Großen Preis von Deutschland 2009, konnte Webber seinem Teamkollegen einen ersten deftigen Schlag verpassen. Webber, der damals auch seine erste Pole Position holte, war an diesem Tag nicht einmal von einer Durchfahrtsstrafe aufzuhalten und gewann das Rennen souverän. Vettel wurde Zweiter.

Platz 2: Carlos Sainz – 150 Rennen

Mittlerweile hat Carlos Sainz drei Siege auf dem Konto, doch für seinen ersten musste der Spanier eine ganze Weile warten. Erst im 150. Versuch gelang dem Spanier sein erster Erfolg in der Königsklasse. Sainz, der damals 27 Jahre alt war, gewann den Großen Preis von Großbritannien 2022 nach einem wahren Herzsschlagfinale. Der Spanier hatte seine Führung nach einem Fehler an Max Verstappen verloren, profitierte am Ende allerdings von einem Safety Car, bei dem Sainz sich frische Reifen abholte und seinen Teamkollegen Charles Leclerc hinter sich lassen konnte.

Nach 150 Rennen war es für Carlos Sainz so weit, Foto: LAT Images
Nach 150 Rennen war es für Carlos Sainz so weit, Foto: LAT Images

Platz 1: Sergio Perez – 190 Rennen

Der erste Platz auf dieser Liste ist noch einmal ein Großer Sprung. Sergio Perez, der in seinen Jahren vor Red Bull als Top-Mittelfeld-Fahrer galt, musste insgesamt 190 Rennen auf seinen ersten Sieg warten. Beim Sakhir GP konnte der damalige Racing-Point-Pilot den Bann allerdings endlich brechen. Perez trotzte allen Widrigkeiten, lag nach einer Kollision bereits in der ersten Runde auf dem letzten Platz, doch arbeitete sich Stück für Stück wieder nach vorne. Am Ende waren ihm die Renngötter hold, als Mercedes die Reifen von Valtteri Bottas und George Russell vertauschte und sich damit selbst aus dem Rennen nahm. Perez hingegen massierte seine Reifen bis zum Ende und feierte einen schlussendlich vollkommen verdienten und emotionalen Sieg.

Sergio Perez hat den Rekord noch mit weitem Abstand inne, Foto: LAT Images
Sergio Perez hat den Rekord noch mit weitem Abstand inne, Foto: LAT Images