1. S wie Start

Die Startaufstellung für den Monaco-GP heute könnte durchaus eine sehr große Ähnlichkeit mit dem Ergebnis des Rennens haben. Denn wie schwierig es für die Formel 1 ist, auf dem verwinkelten, langsamen Kurs von Monaco zu überholen, ist überall bekannt. Nicht vergessen: Daniel Ricciardo fuhr 2018 hier sogar mit einem halben Hybrid-System zum Sieg. So hat Pole-Mann Charles Leclerc heute auf jeden Fall die besten Karten.

Nicht einmal beim Start ist die Gefahr besonders groß. Ste. Devote, die erste Kurve, ist nur 159 Meter entfernt. Sofern es nicht zu Chaos kommt, ist Oscar Piastri auf Startplatz zwei der einzige Fahrer, der Leclerc in dieser Phase des Rennens wirklich gefährlich werden kann. Und in den letzten Jahren waren die Starts oft gut beherrscht. Die dahinter stehenden Carlos Sainz und Lando Norris sind bei diesen kurzen Wegen schon nur mehr Außenseiter, und erst recht die erst in der dritten Reihe stehenden George Russell und Max Verstappen.

Ja, Red Bull und Verstappen haben diesen Grand Prix abgeschrieben. Die deutlich stärkere Konkurrenz von McLaren und Ferrari stellte bereits langanhaltende Probleme auf unebenen Rennstrecken gestern im Qualifying bloß, bemängelte Max Verstappen. Er steckt zwischen Russell und Lewis Hamilton im Mercedes-Sandwich, während hinter ihm Yuki Tsunoda, Alex Albon und Pierre Gasly auf die letzten Punkte hoffen.

Wirklich gelaufen dürfte das Rennen für die dahinter sein. Haas wurde wegen Montagefehler der neuen Heckflügel disqualifiziert, Nico Hülkenberg und Kevin Magnussen starten aus der Box. Sergio Perez und Fernando Alonso fuhren ein desaströses Qualifying und starten nur von den Plätzen 16 und 14.

2. S wie Schwarze Leclerc-Magie

Sieger also wahrscheinlich der Pole-Mann? Tja, hier gibt es ein Problem, und es heißt Charles Leclerc. Der wäre gut beraten, sich heute vor dem Start noch einmal ein bisschen schwarzer Magie zu bedienen, wenn es hilft. Alles, was der Monegasse in seinen vorangegangenen sieben Rennen in Monaco in Formel 1 und Formel 2 geschafft hat, waren nämlich (trotz dreier Poles) Pleiten in Serie. Eine dieser Poles konnte er wegen Defekt auf der Sichtungsrunde nicht einmal wahrnehmen. Die zweite nahm ihm Ferrari 2022 per Strategie weg.

Wenn also Ferrari einen Fehler macht, oder Bizarres geschieht, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es Leclerc trifft. 2024 ist der nächste Anlauf Leclercs, seinen persönlichen Monaco-Fluch zu brechen. Basierend auf dem bisherigen Wochenende scheint es schwer vorstellbar, dass er es diesmal wieder nicht schafft, immerhin beendete er jede Session bis auf FP2 an der Spitze. Kleines Sternchen: Die Rennpace im Longrun sah nicht gut aus. Was uns zum nächsten Punkt bringt.

3. S wie Strategie

Medium-Hard, oder Hard-Medium, das sind laut Pirelli die einzigen vernünftigen Optionen. Die Reifen halten hier lange, und Überholen kann man selbst jemanden mit massiven Reifenproblemen kaum. Trotzdem ist Strategie nicht einfach. Zuerst einmal: Wegen dem kurzen Weg zur ersten Kurve ist es verlockend, auf Hard zu starten. Der Medium-Gripvorteil ist bei 159 Metern vernachlässigbar. Im Austausch bietet der Hard die Option, den ersten Stint ewig in die Länge zu ziehen, um auf ein Safety Car zu warten.

Start in Monaco: Eng und schnell vorbei, Foto: LAT Images
Start in Monaco: Eng und schnell vorbei, Foto: LAT Images

Kommt dieses Safety Car nicht, ist der Stopp-Zeitpunkt kritisch. Monaco war in der Vergangenheit sowohl Undercut- als auch Overcut-Rennen. Manchmal können Autos, die ewig im Verkehr stecken, zulegen, sobald sich die Konkurrenz vor ihnen aus dem Weg stoppt, und mit späterem Wechsel daher Positionen gewinnen. Umgekehrt können sich Autos mit frühem Stopp vom Verkehr befreien und so Zeit gutmachen. Also heißt es Acht geben, vor allem auf die GPS-Karte – und jeden Verkehr beim Stopp unbedingt vermeiden.

4. S wie Schrott

Auch bekannt als Safety Car, aber in Monaco ist ein Unfall schnell passiert, und vor allem schnell deshalb eine rote Flagge da. Auslaufzonen sind praktisch nicht existent. Fast jeder Überholversuch kommt einer Verzweiflungstat mit Unfall-Gefahr gleich. Besonders eine rote Flagge kann das Rennen auf den Kopf stellen. Wer da noch nicht an der Box war, bekommt einen Reifenwechsel zum Nulltarif und verliert keine einzige Position. Eben deshalb ist es verlockend, mit Hard zu starten und einfach abzuwarten.

Doch das birgt auch ein Risiko. Selbst wenn das Safety Car schon im ersten Rennviertel kommt, ist es eigentlich fahrlässig, nicht zu stoppen. Nur muss man dann sich bis Runde 78 auf dem Medium-Reifen durchquälen. Grip hätte der am Ende dann keinen mehr. Nur kann man wie gesagt nicht überholen. Einziges Problem dann: Kein Grip macht das Fahren schwieriger. Und kann für mehr Schrott sorgen.

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5. S wie Sponsor-Banner

Wenn wir nach Szenarien suchen, wie Charles Leclerc heute auf die absurdeste Weise wieder um einen Sieg in Monaco gebracht werden kann, dann finden wir das Thema Sponsoren-Banner ganz oben. Diese stellten sich nämlich im Qualifying als überraschend filigran heraus. 2024 scheint die Formel 1 besonders nah an der Wand, und in Q1 lösten sich mehrere Banner. Die wurden von Lando Norris und – natürlich – Charles Leclerc aufgesammelt.

Beide mussten an die Box, um sich der Banner zu entledigen. Im Qualifying kein Problem, solange genug Zeit vorhanden ist. Im Rennen natürlich keine Option. Sicher, “man kann nicht überholen” gilt auch hier, aber nur, wenn es sich in einem rein aerodynamisch relevanten Bereich verfängt. Albtraum wäre ein Banner, dass in der Brems- oder Motorkühlung landet. Aber die Formel 1 beabsichtigt, für heute die Banner an neuralgischen Punkten zu entfernen.

6. S wie Sonnenschein

Die letzten zwei Monaco-Rennen waren von chaotischen Wetter-Verhältnissen gezeichnet. Während der klassische Grand Prix hier eher wenig Action bietet, kann ein bisschen Feuchtigkeit die Angelegenheit schnell zu einem Klassiker machen. Der zu Wochenbeginn noch erwartete Regen kam am Wochenende aber nicht. Inzwischen ist die Regenwahrscheinlichkeit für den Grand Prix in den einstelligen Prozentbereich gefallen.

7. S wie Sieger

Selbst ohne Regen muss es heute kein Spaziergang werden für Charles Leclerc. Unterschätzen darf man die Konkurrenz hinter ihm sicher nicht. Allen voran den McLaren von Oscar Piastri, der ein paar richtig starke Rennen hinter sich hat. Wenn Leclercs Longrun-Probleme vom Freitag nicht gelöst sein sollten, und Piastri im Rennen dicht hinter Leclerc Druck aufbauen kann, dann ist er nur einen perfekten Strategie-Call vom Sieg entfernt.

Live im Rennen zu erfassen, ob jetzt gerade ein Under- oder Overcut mehr bringt, könnte Piastri den ersten Grand-Prix-Sieg bescheren. Oder Leclerc den ersten Heimsieg – mit dem er zum ersten Mal in 13 Rennen eine seiner Poles auch in einen Sieg verwandelt hätte. Ja, lang ist’s her. Die 18 anderen Formel-1-Piloten müssen wohl auf große Turbulenzen hoffen, damit sich für sie auch noch Chancen auftun.