S wie Startaufstellung

George Russell startet heute beim Kanada-GP zum dritten Mal in seiner Karriere von der ersten Startposition in ein Formel-1-Rennen. 2022 in Ungarn und 2022 in Brasilien gelang ihm dies zuvor, auch wenn er beim Sao-Paulo-GP nicht die Pole Position zugesprochen bekommen hatte (Sprint-Wochenende). Mit Max Verstappen gelang zum ersten Mal seit 26 Jahren einem Fahrer das Kunststück, die Pole-Zeit eines anderen Fahrers zu egalisieren. Er startet von P2. Lando Norris und Oscar Piastri lauern in Starreihe 2 auf ihre Chance, gefolgt von Daniel Ricciardo, der im Qualifying sensationell auf P5 raste.

Fernando Alonso folgt auf P6. Lewis Hamilton sah lange wie der Favorit auf die Pole Position aus, scheiterte jedoch in Q3 gleich doppelt und wurde im finalen Run bis auf P7 durchgereicht. Yuki Tsunoda, Lance Stroll und Alex Albon komplettieren die Top 10. Die großen Enttäuschungen des Qualifyings sind wohl die beiden Ferraris auf P11 und P12, sowie SergIo Perez, der über Startplatz 16 nicht hinauskam. Nico Hülkenberg startet nach einer Kettenreaktion, die von Heckflügel-Problemen im Training ausgelöst worden war, nur von P18.

S wie Start

Nur 260 Meter trennen den ersten Startplatz von der ersten Kurve. Es ist somit einer der kürzesten Wege zu Kurve 1. Dennoch haben es die ersten Meter in sich. Eine leichte Biegung führt die Fahrer in den ersten Knick. Dann durch Kurve 1 und 2 wird es normalerweise eng. Wer in Turn 1 außen ist, hat theoretisch die Innenbahn für Turn 2. Vorausgesetzt natürlich man bleibt nicht über oder wird von der Strecke gedrängt. Statistisch gesehen ist der Polesetter aber klar im Vorteil. Seit dem Jahr 2000 kam er nur zweimal nicht als Führender aus der ersten Kurve – bei immerhin 21 Grands Prix. Interessanterweise war es aber in beiden Fällen ein Fahrer aus Reihe 2, der die Spitze übernahm, und nicht etwa der Pilot auf Startrang 2 (2016 Sebastian Vettel von P3 und 2005 Giancarlo Fisichella von P4).

Der Polesetter wird in Kanada am Start nur selten geknackt: Der Traumstart von Sebastian Vettel 2016 war die Ausnahme, Foto: Ferrari
Der Polesetter wird in Kanada am Start nur selten geknackt: Der Traumstart von Sebastian Vettel 2016 war die Ausnahme, Foto: Ferrari

S wie Strategie

Graining könnte zum Schlüsselwort beim Formel-1-Rennen in Kanada werden. Denn auf dem neu aufgetragenen Asphalt neigen die Reifen zu ebenjener Körnung. Pirelli geht deshalb davon aus, dass eine 1-Stopp-Strategie zwar möglich, aber nicht die schnellste Variante ist. Ein 2-Stopper, bei dem zweimal der Hard-Reifen zum Einsatz kommt, ist laut den Italienern mathematisch betrachtet der schnellste Weg, um die 70 Rennrunden auf dem 4,361 Kilometer langen Kurs zu bewältigen. Aber diese Strategie-Kalkulationen sind natürlich nur relevant, wenn das Rennen im Trockenen über die Bühne geht. Falls es regnet, sind sie hinfällig, und im Moment erscheint das nicht unwahrscheinlich.

S wie Scuderia-Pleite

Sie waren die großen Favoriten vor diesem Renn-Wochenende: Ferrari. Die Gründe waren logisch: Ferrari war in Monaco stark. In Monaco gibt viele Stellen, an denen die schnellste Linie über die Kerbs führt, in Kanada gibt es viele Stellen, an denen die schnellste Linie über die Kerbs führt. Monaco besteht aus vielen kurzen und einigen engen Kurven, Kanada besteht aus vielen kurzen und einigen engen Kurven. Gegen die Roten sprachen nur die langen Geraden. Doch anstelle des Kampfes um die Pole fand sich Ferrari nicht einmal in Q3 wieder. “Wir sind einfach langsam im Trockenen” konsternierte Charles Leclerc nach dem Qualifying. Die Balance und das Grip-Level machten Probleme.

Die Hoffnung liegt auf der Rennpace, aber kein Team hat viele Daten um derartige Hoffnungen bestätigen oder widerlegen zu können. Was für die Scuderia im Rennen sprechen würde ist die Ansage, dass Graining ins Spiel kommt. Die letzten Grands Prix, wo das eine maßgebliche Rolle spielte, waren Australien 2024 und Las Vegas 2023. Ein Rennen gewann die Scuderia nach einem Verstappen-Defekt souverän, im anderen verfügte man über das schnellste Auto und verlor nur aufgrund von Strategie-Pech. Aber auch wenn die Rennpace besser ist: 10 Autos müssen auch erst einmal überholt werden.

S wie Silberpfeil-Sensation

Todegesagte leben länger! Im Falle von Mercedes kam die Wiederauferstehung plötzlich und aus dem Nichts. In Montreal scheinen die Silberpfeile den Stein der Weisen gefunden zu haben. Ob es nur an den etwas ungewöhnlichen Bedingungen liegt, oder ob mit George Russell und Lewis Hamilton jetzt häufiger zu rechnen ist, werden die nächsten Rennen zeigen. Ob mit ihnen auch in Bezug auf die Rennpace zu rechnen ist, werden wir heute im Laufe des Grands Prix erfahren. Russell kann das Rennen von vorne aufrollen, Hamilton steckt auf P7 wohl zunächst einmal im Verkehr. Wenn, dann muss es also der Youngster richten und den Kampf gegen Max Verstappen aufnehmen, und nicht der Rekord-Champion.

S wie Schlechtwetter

Der Regen gehört so zum Kanada-GP wie das Ahornblatt, Eishockey oder die Mounties zum zweitgrößten Land der Erde gehören. Die Qualifikation heute war die erste seit 2019, die bei trockenen Bedingungen über die Bühne ging. Es ist auch kein Zufall, dass das längste Rennen der Formel-1-Geschichte eine Regenschlacht auf dem Circuit Gilles Villeneuve war. Der GP 2011, um genau zu sein.

Wird der Regen der Formel 1 auch heute einen Besuch abstatten? Beinahe mit Sicherher. Wird er es während dem Rennen tun? Die Wetter-Stationen variieren in ihren Prognosen zwischen: ‘Regen möglich’ bis zu ‘Es wird beinahe sicher regnen’. Die prozentuale Regenwahrscheinlichkeit für den Start des Formel-1-Rennens um 14 Uhr wird je nach Quelle zwischen 60 und 98 Prozent beziffert. Wobei Regen im Allgemeinen ja nicht gleich stark sein muss. Leichte Schauer gab es auch im Qualifying, sie hatte aber keinen Einfluss auf die Reifenwahl.

S wie Sieger

Normalerweise kommen wir hier zu dem Punkt, an dem über allem ein Name steht: Max Verstappen. Und ja, auch in Kanada ist wohl mit ihm zu rechnen, selbst wenn er nicht auf der Pole Position steht. Aber die letzten Wochen zeigten uns, dass der Weltmeister im Red Bull alles andere als unangreifbar ist. Bei den letzten drei Grands Prix verfügte er im Renntrimm nicht über den schnellsten Boliden. Zweimal konnte das McLaren von sich behaupten, einmal Ferrari.

Aber im Regen werden die Karten neu gemischt. Wir erlebten in diesem Jahr noch kein echtes Regenrennen, deshalb sind die Performance-Prognosen der Autos dahingehend noch dünn. Aber eines ist fix: Bei Niederschlägen kommt das fahrerische Talent häufig stärker zum Tragen und das spricht dann doch für Verstappen, der in diesem Aspekt wohl kaum jemandem nachsteht. Abgesehen davon lässt sich kaum eine verlässliche Prognose treffen. Longrun-Daten im Trockenen gibt es nicht in aussagekräftiger Menge beziehungsweise unter aussagekräftigen Bedingungen, für Regen sowieso nicht.