Lewis Hamilton und Valtteri Bottas pflegen eine harmonische Beziehung. Eine Rivalität gibt es außerhalb des Autos nicht. Das war zu Rosberg-Zeiten anders.
21.11.2020, 10:00 Uhr von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com – Das Formel-1-Team von Mercedes scheint mit Lewis Hamilton und Valtteri Bottas die ideale Fahrerpaarung gefunden zu haben. Beide haben dem Werksteam in der Saison 2020 den siebten Titel in der Konstrukteurs-WM in Folge beschert. Zwischen den Piloten ist die Hierarchie auf der Strecke geklärt und abseits der Piste gibt es offenbar auch keine Psychospielchen, die das Ziel hätten, den anderen zu zermürben.

“Wir respektieren uns gegenseitig”, sagt Hamilton. “Was auch immer auf der Strecke passiert, wir lassen es nicht in die Beziehung eindringen, die wir außerhalb des Autos haben.”

Nach dem Rennen in Imola forderte er sogar, die Leistungen seines Gegners mehr zu würdigen. “Valtteri bekommt nicht die Anerkennung, die er verdient hat. Er macht einen großartigen Job und ist ein unglaublich schneller Fahrer. Ich denke, er ist besser als die meisten anderen im Feld. Dabei denke ich nicht nur über die Art, wie er Rennen fährt, sondern auch über seine Mentalität und Haltung. Ein Rennfahrer zu sein, ist mehr als nur das Fahren. Es geht auch darum, wie man sich als Person verhält, wie man ein Team um sich aufbauen kann und wie man diese Leute auf ein höheres Level bringen kann. Er ist sehr gut in diesen Dingen.”

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Vor ein paar Jahren war das Verhältnis der beiden Mercedes-Fahrer noch deutlich zerrütteter: Als Nico Rosberg der Teamkollege des siebenfachen Weltmeisters war, wurde der Wettbewerb auch auf der psychologischen Ebene ausgetragen. Rosberg sagte zu Beginn des Jahres der französischen Zeitschrift ‘Auto Hebdo’: “Es ist notwendig, in seinen Kopf zu gelangen und das ist nicht einfach. Man muss in seinem Kopf etwas Zweifel säen. Diese Dinge wirken unbedeutend, aber sie können ihn aus dem Konzept bringen.”

Duell zwischen Hamilton und Bottas finden auf der Strecke statt

Auf derartige Spielchen lässt sich Bottas laut Hamilton nicht ein. “Wenn er gewinnt, weiß er, dass er es mit harter Arbeit geschafft hat. Wenn er nicht gewinnt, weiß er, dass er beim nächsten Mal mehr leisten muss”, sagt der Brite.

Hamilton gab 2019 einen Einblick in das Verhältnis zu Rosberg: “Stell dir vor, neben dir sitzt jemand am Tisch, neben dem du nicht sitzen willst.” Die Meetings mit Bottas laufen wohl entspannter ab. “Die Leute lieben es, mit uns zu arbeiten, so wie wir aufgestellt sind. Das ist ein tolles Gefühl. Es ist ein großartiges Umfeld und das ist der Schlüssel”, sagte Hamilton damals.

Wolff ist zufrieden mit der Stimmung im Team

Auch Teamchef Toto Wolff spricht von einer professionellen Arbeitsatmosphäre zwischen Hamilton und Bottas. “Es wäre falsch, das Verhältnis als Harmonie zu bezeichnen”, sagt der Österreicher. “Denn zwischen zwei Teamkollegen ist es schwierig, eine Harmonie zu haben. Das verstehen wir vollständig. An einem Rennwochenende suchen wir ja auch nicht nach Harmonie. Es ist normal, dass es Rivalität besteht. Sie ist Teil des Spiels. Wir haben eine sehr produktive Umgebung. Manchmal nehmen wir uns nicht richtig ernst. Aber das Wesentliche passiert auf der Strecke.”