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Es ist eine mittlere Katastrophe, die McLaren da bei der Formel 1 in Las Vegas heraufbeschworen hat. Nachdem Lando Norris und Oscar Piastri beide wegen zu stark abgenützter Unterböden vom Rennen disqualifiziert wurden, veröffentlicht das Team am späten Abend noch eine erste Stellungnahme, und entschuldigt sich bei den Fahrern.
Schließlich hatte es direkt nach dem Rennen eigentlich so ausgesehen, als ob Norris in der Fahrer-WM die Lage recht gut im Griff hätte. Seinen Vorsprung auf Oscar Piastri hatte er ausgebaut, und Max Verstappen war bei noch zwei zu fahrenden Rennen mit 42 Punkten Rückstand immer noch krasser Außenseiter. Doch mit dem Doppel-DSQ verliert McLaren alle Punkte – während Verstappen 25 gutmacht.
McLaren-Teamchef Andrea Stella entschuldigt sich bei seinen F1-Fahrern
Jetzt liegt der Red Bull gleichauf mit Piastri, und bei bis zu 58 noch zu vergebenen Punkten nur mehr 24 hinter Norris. “Wir entschuldigen uns bei Lando und Oscar für die verlorenen Punkte zu einem kritischen Zeitpunkt im WM-Kampf nach zwei starken Leistungen über das ganze Wochenende hinweg”, schultert McLaren-Teamchef Andrea Stella jetzt die Verantwortung.
“Als Team entschuldigen wir uns auch bei unseren Partnern und Fans, deren Unterstützung uns viel bedeutet”, ergänzt Stella. Er kann am Abend nach dem Rennen immer noch nur Vermutungen anstellen, wie genau es passieren konnte, dass bei beiden Autos die Unterboden-Planke die geforderte Mindest-Dicke knapp unterschritt.
Beim am stärksten abgeschürften Punkt am Auto von Norris ging es um 0,12 Millimeter, bei Piastri um 0,26 Millimeter. “Während des Rennens litten beide Autos unter unerwartet starkem Porpoising, das wir in den Trainings nicht gesehen haben”, so Stellas erster Verdacht. “Das führte zu exzessivem Kontakt mit dem Asphalt.”
McLaren realisiert Las-Vegas-Problem zu spät
Porpoising, also das bei hoher Geschwindigkeit von der Ground-Effect-Aerodynamik ausgelöste Auf-und-Ab-Hüpfen des Autos, ist vor allem aus dem ersten Ground-Effect-Jahr 2022 bekannt. Das Auto wird zu stark an den Boden angesaugt, schlägt auf, die Strömung reißt ab, das Auto hebt sich, und dann wiederholt sich der Effekt, bis man verlangsamt.
2025, im letzten Jahr der aktuellen Regeln, haben die Teams es üblicherweise ausreichend unter Kontrolle. Allerdings müssen sie dafür wissen, wann genau es auftreten kann. Wegen roter Flaggen hatte McLaren in FP2 keinen Longrun fahren können, und am Samstag regnete es in FP3. Mangels Daten war man beim Abstimmungs-Prozess also womöglich bis zu einem gewissen Grad blind und wusste nicht, dass Porpoising mit dem gewählten Setup ein Problem werden könnte.
Während des Rennens lässt sich Porpoising bereits live feststellen. Sowohl das Team als auch die FIA haben ausreichend Instrumente, um es in den Daten zu erfassen. Daher forderte McLaren Norris auch schon zeitnah zu “Lift and Coast” auf, also vorzeitiges Vom-Gas-Gehen, in der Hoffnung, den Unterboden noch irgendwie zu schonen.
“Wir untersuchen die Gründe für dieses Verhalten des Autos”, versichert Stelle. Er ergänzt aber auch, dass es vielleicht andere Gründe als bloß das Setup haben könnte: “Einschließlich der Auswirkung von unerwarteten Schäden, die beide Autos erlitten. Die fanden wir nach dem Rennen, und sie lösten stärkere Bewegungen des Unterbodens aus.” Ist der Unterboden instabil, dann ist der Luftfluss in seinen Kanälen das ebenso, und das kann ebenfalls unerwartetes Porpoising erzeugen.
Doppel-Disqualifikation von McLaren hilft Oscar Piastri in der WM
Nichtsdestotrotz bleibt es ein Fakt, dass es beide Autos erwischt hat. Da lässt sich der Verdacht nur schwer abschütteln, dass sich McLaren bei der Sicherheits-Marge verkalkulierte. Das fürchtet auch Piastri in seinem spätabendlichen Statement: “Bei dem so engen Feld suchen wir immer nach dem letzten Etwas bei der Performance, und diesmal haben wir es nicht richtig hinbekommen.”
Trotzdem hebt Stella auch noch einmal hervor: McLaren fuhr nicht mit Absicht so tief, und wollte sicher nicht irgendwie die Regeln umgehen oder etwa darauf hoffen, bei den Messungen zu Rennende nicht dranzukommen. Schließlich wird nicht bei jedem Auto jede einzelne Komponente nach dem Rennen von den FIA-Technikern kontrolliert. Dafür hat man die Ressourcen nicht. In Las Vegas wurden beispielsweise nur die Unterböden der Top-10 gecheckt.
Die Fahrer geben sich tapfer. “Wir brauchen jetzt einen Reset und müssen uns darauf fokussieren, die bestmöglichen Ergebnisse in den letzten zwei Rennen zu holen”, so Piastri. “Auf zwei Strecken, auf denen wir in der Vergangenheit stark waren.” Kurioserweise hilft ihm das Doppel-DSQ in der Fahrer-WM. Sonst würde er 30 statt 24 Punkte hinter Norris liegen.
© Motorsport-Magazin

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