Im neunten Rennen 2024 hat Mercedes den Anschluss zur Spitze der Formel 1 wieder hergestellt. Mit einer Pole in Kanada durch George Russell. Obwohl es in Q3 dann eine etwas seltsame Zitterpartie war, und Max Verstappen am Ende sogar die gleiche Zeit fuhr, ist Russell nun in Hochstimmung. Es ist ein Ergebnis, dass den Erwartungen der Updates der letzten Rennen gerecht wird.

Das ganze Wochenende über waren die Mercedes in Montreal nämlich schon schnell. “Es kam irgendwie aus dem Nichts, aber vielleicht auch nicht, mit den ganzen Upgrades, die wir bringen”, unterstreicht Russell nach dem Qualifying. Nachdem er schon in Monaco nur ein Zehntel von der ersten Reihe entfernt gewesen war: “Und das sind die ersten beiden Rennen mit den Upgrades.”

Russell nach Kanada-Pole sicher: Das ist jetzt der Durchbruch

In den letzten Rennen wurde bei Mercedes der Unterboden in Schritten komplett überarbeitet, ein neuer Frontflügel wurde ergänzt. In seiner Gesamtheit ist das Paket in Kanada ein Volltreffer. “Es lenkt einfach richtig gut durch die Kurven”, erklärt Russell. Davor war der diesjährige Mercedes sehr untersteuer-affin. Das genaue Gegenteil zum Vorjahr, wo die Fahrer an Übersteuern in schnellen Passagen verzweifelten.

“Wir haben versucht, da den Mittelweg zu finden”, so Russell. “Wirkt so, als ob wir diesen perfekten Punkt jetzt gefunden hätten. Das scheinen wir natürlich schon länger zu sagen, da bin ich ganz ehrlich. Also ist das jetzt ein richtiges Gefühl der Erleichterung, wenn man sieht, wie das tatsächlich zu einer Pole-Position führt.”

“Einhundert Prozent” ist seine Antwort auf die Nachfrage, ob dieser Fortschritt in der Realität begründet ist. “Aktuell sehe ich keinen Grund, warum das nicht der Fall sein sollte. Wir denken, wir haben noch mehr in der Hinterhand.” Für ihn hat Mercedes in den letzten sechs Monaten den Zick-Zack-Kurs bei der Entwicklung zunehmend begradigen können: “Und wir haben es wirklich geschafft, mit Feintuning das ins Auto zu bekommen, was wir wollen.”

Russell holt Pole mit Hilfe von Lewis Hamilton

Im Qualifying von Kanada resultierte das teilweise sogar in einem Vorteil von über einer Zehntel gegenüber dem Rest der Formel 1. Es lief bis einschließlich des ersten Versuches in Q3, den aber alle noch mit gebrauchten Reifen fuhren. Trotzdem war Russells 1:12,000 nur dreieinhalb Zehntel weg von seiner besten Q2-Runde mit frischen Reifen, also musste noch ordentlich was gehen: “Ich habe erwartet, dann um drei oder vier Zehntel vorne zu sein, wie das ganze Wochenende schon.”

Doch ausgerechnet auf dem entscheidenden Q3-Schuss mit den frischen Soft brach der Mercedes ein. “Q3 war wohl die schlechteste Session der drei”, analysiert Russell. Er musste sich auf die Zeit mit den gebrauchten Reifen verlassen und kam in der engsten möglichen Entscheidung im Sport davon. Max Verstappen fuhr die gleiche Zeit. Weil er sie aber nach Russell fuhr, bekommt der Mercedes-Pilot die Pole.

Dort ist Russell für das Rennen in Kanada allein. Lewis Hamilton, davor in jeder Session ebenfalls stark, fiel in Q3 tief, bis auf P7. Anteil an der Pole hat er trotzdem einen wesentlichen, wie Russell verrät: “Heute morgen ist Lewis geflogen, war weit vor mir, und ich musste mir seine Daten anschauen um zu verstehen, was er anders machte. Und das hat mir ehrlich gesagt massiv geholfen.” Am Ende sprang seine zweite Pole nach Ungarn 2022 dabei raus.

Für den Sonntag macht sich Russell durchaus weitere Hoffnungen. Nach verregneten Freitags-Trainings ist die Ausgangslage undurchsichtig. “Es wird für alle hart”, prognostiziert Russell, der Graining-Probleme für das ganze Feld prognostiziert. “Unser Auto ist wirklich richtig, richtig schnell. Aber es wird ein langes Rennen.”