Das vergangenen Formel-1-Wochenende in Österreich wurde von dem dramatischen Zweikampf zwischen Lando Norris und Max Verstappen überschattet. Der Weltmeister und der McLaren-Pilot kollidierten beim Kampf um den Sieg und tauschten nicht nur nach der Kollision hitzige Worte aus, sondern auch bereits während dem vorhergehenden Duell. Vor allem Norris teilte aus und forderte von Verstappen eine Entschuldigung ein.

In den Tagen nach dem Rennen haben sich die Gemüter ein bisschen abgekühlt und der Brite machte vor seinem Heimrennen in Silverstone einen Rückzieher. “Ich denke nicht, dass er sich entschuldigen musste”, stellte Norris klar und übte stattdessen etwas Selbstkritik: “Ich denke, ich habe nach dem Rennen einzelne Dinge nur gesagt, weil ich zu diesem Zeitpunkt frustriert war. Viel Adrenalin, viele Emotionen und ich habe wahrscheinlich ein paar Sachen gesagt, an die ich nicht wirklich glaube.”

Lando Norris gelang zu neuem Urteil: Grenzwertig, aber gutes Racing

Der WM-Zweite stellte klar, dass er die gesamte Situation inzwischen grundlegend anders beurteilt: “Nachdem ich es mir nochmal angeschaut habe, denke ich, dass es gutes Racing war, auch wenn es manchmal grenzwertig war.” Die Kollision hatte laut ihm einen unglücklichen Verlauf genommen, nachdem die eigentliche Berührung nur relativ gering gewesen war.

In der Zwischenzeit haben sich die beiden Freunde ausgeredet und den Unfall ad acta gelegt. Am Montag redeten die beiden Führenden der Formel-1-WM 2024 erstmals nach dem Unfall wieder miteinander und erneut am Mittwoch. “Wir haben uns darüber unterhalten und freuen uns darauf, wieder Rennen zu fahren”, so Norris. Das bedeutet: Man wird im Zweifel wieder genauso racen wie in Spielberg, auch wenn der McLaren-Fahrer ankündigte, dass er seinen Zweikampf-Stil minimal adaptieren müsse.

Wie hätte Lando Norris den Unfall vermeiden können?

Aber eben nur minimal. “Ich muss einige Dinge ein klein wenig anders machen, aber am Ende des Tages denke ich nicht, dass er sich zu sehr verändern wird. Ich denke auch nicht, dass ich sehr viel ändern müsste”, so Norris. Vermeidbar sei der Unfall seiner Meinung nach gewesen, falls er etwas mehr auf den Kerb ausgewichen wäre.

Womit Norris jedoch nach wie vor nicht übereinstimmt, ist die Art und Weise, wie die Stewards über das Duell auf den letzten Runden des Formel-1-Rennens in Spielberg urteilten. Der 24-Jährige zeigt sich vor allem genervt über eine 5-Sekunden-Strafe, die er in Österreich für eine Reihe Track-Limits-Vergehen erhalten hatte. Denn sein letzter Verstoß resultierte aus einem Verbremser im Zweikampf gegen Verstappen, bei dem er anschließend den Titelverteidiger wieder vorbeiließ.

Lando Norris schimpft über ‘dumme’ Strafe: Das macht keinen Sinn

“Das [diese Strafe, d.Red] ist ziemlich dämlich, wenn ich ehrlich bin. Ich habe versucht zu überholen, habe mich verbremst und kam neben die Strecke. Ich musste dann dem Sausage-Kerb ausweichen und gab die Position an Max zurück”, illustrierte er den Vorfall. “Ich habe wahrscheinlich eineinhalb Sekunden dabei verloren.”

Crash zwischen Lando Norris (McLaren) und Max Verstappen (Red Bull)
War die Strafe gegen Lando Norris für diese Aktion gerechtfertigt?, Foto: LAT Images

Er forderte eine etwas weniger restriktive Handhabe, da ansonsten der Kampf auf der Strecke als solches in Gefahr sei. “Diese Dinge werden verhindern, dass Fahrer gegeneinander racen. Wenn man nicht will, dass wir Rennen fahren und dass man Überholversuche startet, dann will man ein langweiliges Rennen. In diesem Fall kann man die Regeln so handhaben”, ärgert er sich über die Rennleitung und die Stewards. Was Norris vor allem stört, ist die Formulierung des Verstoßes. Denn eigentlich bezieht sich dieser auf Vorfälle, in denen jemand neben die Strecke kommt und ihm daraus ein Vorteil erwachsen ist.

In Spielberg ist seiner Meinung nach aber kein Vorteil entstanden. “Es geht darum, sich einen Vorteil zu verschaffen, und das ist das Wichtigste”, unterstrich Norris. “Aber der Umstand, dass ich eine Strafe für das erhalten habe und das vor allem in einer Zweikampf-Situation, nachdem ich mehr Zeit dadurch verloren habe, das macht einfach keinen Sinn”, schimpft der 115-fache Grand-Prix-Starter und ergänzte die Forderung: “Ich hoffe, dass sie das schnell ändern. Denn ich finde das ziemlich dumm.”