Max Verstappen wünschte sich am Funk, er hätte sein Kissen mitgenommen. So langweilig war der Monaco Grand Prix in seinen Augen. Das Traditions-Rennen in Monte Carlo ist seit Jahren stark umstritten. Die heutigen Formel-1-Autos sind zu breit. Überholen ist auf dem Kurs eine Rarität. Aufgrund der roten Flagge in der Startphase, gab es dieses Jahr sogar kaum Boxenstopps, die sonst etwas Schwung in das Rennen bringen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Formel 1 kamen die Top-10 in ihrer Startreihenfolge ins Ziel. Ist das noch zumutbar? Wir fragen unseren Motorsport-Experten Christian Danner, der fünf Argumente FÜR den Verbleib des Monaco-Rennens liefert.

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Argument 1: Ein Klassiker, der fasziniert

Formel 1 ohne Monaco-Grand Prix? In den letzten Jahren wurde immer wieder thematisiert, ob der Platz im F1-Kalender für das Rennen im Fürstentum noch gerechtfertigt ist. Mit der Addition von neuen Strecken, wie Vegas und Jeddah, fürchten manche Fans einen Schwund der Klassiker. Seit den 1950er Jahren fährt die Königsklasse in Monaco, auf einer bis heute fast unveränderten Strecke.

Das Rennen vor Traumkulisse, das an Glamour nicht zu überbieten ist, hat sich in diesen langen Jahren zum Klassiker und Symbol der Formel 1 gemacht. “Der Monaco Grand Prix ist weltweit von Bedeutung”, sagt Ex-Pilot Christian Danner. “Den großen Preis von Monaco in Monte Carlo kennt man einfach.”

Obwohl das Rennen oft wenig Highlights bietet, sorgt der Grand Prix als Gesamtpaket für Faszination. Auch beim F1-Experten, der am Monaco-Wochenende als Kommentator für RTL unterwegs war. “Das hat mich in meiner Jugend oder als Kind schon fasziniert”, erinnert sich der 66-Jährige. “Und ich muss sagen, als ich jetzt wieder dort war, die Faszination ist geblieben.”

Argument 2: Monaco, der ewige Anachronismus

Beim Zusehen des Monaco-Rennens 2024 ging es Danner wie sehr viele. “Es war typisch langweilig, ein typischer Monaco Grand Prix eben”, so der ehemalige Pilot. “Die Frage, die sich natürlich immer wieder stellt, und die auch von Christian Horner und Toto Wolff in den Raum gestellt wurde, ist, ob man da überhaupt noch fahren kann. Es heißt, wir brauchen eine andere Strecke und man braucht dies, man braucht das.”

Nichts Neues, erinnert sich Christian Danner. “Diese Frage wurde schon gestellt, als ich da gefahren bin und in den 70er Jahren wurde diese Frage auch schon gestellt. Also würde ich mal sagen, man muss einfach damit leben, dass das jetzt so ein Bummelzug geworden ist. Oscar Piastri meinte, sie fuhren Formel-2-Zeiten.”

Dass die Fahrer nach der roten Flagge das Rennen ohne Boxenstopp zu Ende fahren konnten, ist eine Eigenheit von Monaco und der Schwierigkeit, auf der Strecke zu überholen. “Es war von Anfang an klar, egal mit welchem Reifen du nach dieser Kollision losgefahren bist, das war’s. Du bleibst auf der Strecke und fährst fertig”, weiß Danner. “Das ist nicht so, dass es das nicht alles schon mal gegeben hätte. Das ist nichts Neues für Monaco.”

Der F1-Experte streitet nicht ab, dass der Monaco-GP überholt ist, doch genau darin liege irgendwo sein Charme. “Monaco ist ein Anachronismus”, schließt Danner. “Es ist etwas, das eigentlich überhaupt nicht zeitgemäß ist. Aber, es ist toll.”

Argument 3: Qualifying ist Hauptdarsteller

Jeder Formel-1-Fan weiß, in Monaco ist es der Samstag, der zählt. Die Hauptattraktion ist das Qualifying, nicht das Rennen. Danner sieht darin kein Problem. “Monaco ist nun mal eine Strecke, die eine ganz besondere Eigenschaft hat, nämlich dort muss das Qualifying passen. Mehr als irgendwo anders”, so der ehemalige Rennfahrer. “Das ist anders als in Aserbaidschan, Vegas oder Jeddah. Dann ist das eben so.”

Das enge Monaco, dessen Wände keinen Fehler verzeihen, bietet den perfekten Ort für ein spektakuläres Qualifying, durch das man sich mit dem Sieg belohnen kann. “Wer vorne ist, bleibt vorne. Das ist nun mal die Spezialität hier in Monaco”, so Christian Danner. “Da musst du halt schauen, dass du im Qualifying das Ganze geregelt kriegst. Die Piloten haben dort schon Großartiges geleistet und so ein spannendes Qualifying sieht man auch nicht alle Tage. Allein deswegen finde ich, sollten wir weiter in Monaco bleiben.”

Ferrari-Fahrer Charles Leclerc
Beim Qualifying in Monaco geht es um jeden Zentimeter, Foto: LAT Images

Argument: 4: Monaco-Umbau und Anpassung möglich

Gibt es eine Möglichkeit, die Monaco-Strecke umzubauen, um mehr Überholmanöver zu ermöglichen? Darüber diskutierten am vergangenen Wochenende sowohl Teamchefs als auch Fahrer rege. “Lustige Ideen gibt es genügend”, weiß der Formel-1-Experte. “Die realistische Idee ist aber, darüber nachzudenken, ob man den Streckenverlauf irgendwo verändern kann. Ich bin mir sicher, darüber wird diskutiert.”

Damit eine Anpassung der Strecke möglich ist, müssen jedoch mehrere Parteien zustimmen. “Es ist aber eine Frage, die zwischen dem Automobile Club Monaco, der FIA und natürlich auch der GPDA, also der Fahrervereinigung, besprochen werden muss”, so Danner. “Es gäbe schon die Möglichkeit, die Strecke ein bisschen zu verändern, damit sie überholfreundlicher ist. Das ist aber mit großem Mehraufwand verbunden und da muss natürlich der Automobile Club Monaco beziehungsweise der Staat Monaco mitspielen. Die müssen es nämlich bezahlen. Inwieweit das realistisch ist, werden wir sehen.”

Neben der Strecke, könnte man auch die Autos selbst anpassen, meint der ehemalige Rennfahrer. Monaco nur aus dem Kalender zu entfernen, weil die F1-Autos zu groß und breit für die Strecke sind, hält er für falsch. “Grundsätzlich bin ich der Meinung, man sollte nie eine Strecke abschaffen wegen der Fahrzeuggeneration”, sagt Danner. “Man muss die Fahrzeuge darauf abstimmen und einstellen, sodass man damit auf dieser Strecke klarkommt.”

Argument 5: Monaco-GP bietet Besonderheit

Und dann wäre da noch die Besonderheit, die Monaco ohne Zweifel besitzt und die für das Rennen im Fürstentum spricht. Auch, wenn das Rennen für viele langweilig war. “Monaco ist nicht zeitgemäß, es war noch nie zeitgemäß, aber es ist immer crazy”, schließt Danner in der aktuellen Ausgabe des ‘AvD Motorsport-Magazins’. “Das, was wir gesehen haben, ist wahnsinnig speziell.”

Einheitsbrei? Darauf kann unser F1-Experte verzichten: “Ich mag sehr ungern so eine Gleichmacherei, dass immer alles gleich ist. Strecken sollen speziell sein, sollen spezifisch sein. Sie sollen schwierig sein und Monaco ist wahnsinnig schwierig. Es hat seine Eigenarten und seine Eigenheiten und natürlich auch andere Prioritäten als beispielsweise Katar.”

Christian Danner ist nicht der Einzige, der eine Schwäche für den Monaco-GP hat. Auch viele F1-Fahrer verteidigen das Traditions-Rennen lautstark. Hier geht es zu ihren Argumenten: