
Schnüffelt gerne am Print-Magazin, gibt mit seiner bestandenen Steward-Prüfung an, hält lange Monologe, war einst gut im Mario Kart – und liebt die F1 bedingungslos.MEHR

Warum fuhren fast alle die gleiche Strategie?
Das Safety Car kam in Runde 7 des Formel-1-Rennens in Katar zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Von hier an war klar, dass fast alle mit der exakt gleichen Strategie fahren würden – und sogar in exakt den gleichen Runden zum Reifenwechsel kommen würden. Grund war eine außergewöhnliche Regel: Aus Angst vor Reifenschäden hatte Pirelli eine maximale Laufleistung von 25 Runden für jeden Reifen vorgeschrieben. Somit war klar, dass alle zwei Boxenstopps absolvieren mussten.
Aus Performance-Sicht wären zwei Stopps aber nicht nötig gewesen, weil der Reifenabbau in Katar extrem gering ausfällt. Durch das Safety Car in Runde 7 war die komplette Strategie vorbestimmt: Mit zwei weiteren Stints á 25 Runden konnte man zu Ende fahren. Man konnte aber nicht einmal mehr eine Runde vom Plan abweichen, sonst hätte man die Laufleistung überschritten oder einen dritten Stopp einlegen müssen.
Warum kam McLaren beim Safety Car nicht an die Box?
Alle Fahrer aus Oscar Piastri und Lando Norris kamen in der Safety-Car-Phase an die Box. Wovor hatte McLaren Angst? Dass bei einem Doppel-Stopp Norris viel Zeit und Positionen verliert? Eher weniger, der Brite hatte zu diesem Zeitpunkt unter Renngeschwindigkeit schon 4,3 Sekunden Rückstand auf Piastri. Zwei Boxenstopps direkt hintereinander wären sich ausgegangen.
Aber bei dem Hochbetrieb hätte es passieren können, dass Norris lange warten muss, um die Fastlane abzubiegen – schließlich hatte McLaren die erste Garage in der Boxengasse. “Das ist vielleicht mitgeschwungen, aber das war nicht der ausschlaggebende Grund”, erklärte McLaren-Teamchef Andrea Stella.
Aber weshalb holte McLaren seine Fahrer dann nicht rein? Tatsächlich hatte man Angst, in den Verkehr zu kommen. Die Briten rechneten nicht damit, dass das gesamte Feld zum Stopp kommen würde. Und selbst mit der überlegenen McLaren-Pace glaubte man, im Verkehr Zeit zu verlieren, weil Überholen auf dem Lusail International Circuit fast unmöglich war.
Warum kam Ocon eine Runde später an die Box?
Ganz so falsch wie es letztendlich schien, lag McLaren mit der Befürchtung nicht. Haas wollte Esteban Ocon tatsächlich nicht zum Reifenwechsel holen. Nur weil der Franzose eine 5-Sekunden-Strafe erhielt, nutzte man die Neutralisierung doch. Wäre Ocon draußen geblieben, hätte er beim Restart zwischen dem McLaren-Duo und Max Verstappen gelegen. Bei Haas glaubt man, dass Verstappen durchaus Probleme gehabt hätte, an Ocon vorbeizugehen.
Wofür wurde Ocon bestraft?
Aber wieso musste Esteban Ocon überhaupt eine Strafe absitzen? Vor dem Start war der Haas-Pilot minimal angerollt. Auf den TV-Bildern ist noch etwas weniger Bewegung zu sehen als bei Kimi Antonelli vor einer Woche in Las Vegas. Der Sensor, der in der Strecke eingelassen ist und mit dem Auto korrespondiert, scheint das Vergehen detektiert zu haben. Haas kann die Strafe aber nicht nachvollziehen und will von der FIA Antworten. Im Urteil heißt es lediglich: “Die Beweise zeigen, dass es vor dem Startsignal, aber nach dem 4-Sekunden-Licht zu einer Bewegung kam, sodass die Standardstrafe angewendet wird.”
Was ging bei Bearmans Boxenstopp schief?
Für Esteban Ocon war das Rennen damit gelaufen, für Teamkollege Oliver Bearman sah es aber noch ganz gut aus. Der Brite lag auf Position zehn. Beim zweiten Stopp kam es dann zum Patzer. Auf den TV-Bildern war nicht genau zu erkennen, was bei ihm schiefging – weil fast das gesamte Feld gleichzeitig zum Stopp kam, gab es nicht ausreichend Bildmaterial. Als Bearman losgeschickt wurde, war das Rad hinten links noch nicht ganz montiert. Ein Teammitglied hatte fälschlicherweise das System überschrieben und grünes Licht gegeben. Dafür gab es obendrein noch eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe.
Was ging bei Hadjar kaputt?
Als Isack Hadjar kurz vor Rennende funkensprühend um die Strecke fuhr, hatten viele ein Deja-vu: Kam es trotz der Reifen-Regel zu einem Reifenschaden? Jein. Tatsächlich hatte der Racing-Bull-Pilot vorne links einen Reifenschaden. Ausgelöst wurde der aber durch einen Schaden am Auto. Das Leitblech über dem Reifen hatte sich gelöst und wackelte über viele Runden extrem. Als es sich in der vorletzten Runde komplett verabschiedete, ging dabei der Reifen kaputt.
Ließ Antonelli Norris absichtlich vorbei?
Eine andere Szene in der vorletzten Rennrunde sorgte für größeres Aufsehen: Lando Norris ging an Kimi Antonelli vorbei und holte somit zwei wichtige Punkte in der Weltmeisterschaft mehr. Max Verstappens Renningenieur Gianpiero Lambiase interpretierte die Szene so, dass Antonelli Norris absichtlich vorbeigelassen hatte. Dr. Helmut Marko schloss sich dieser Interpretation an.
Bei Mercedes war man darüber äußerst verärgert. “Absoluter, völliger Nonsens. Das macht mich komplett fertig. Wir kämpfen um Platz zwei in der WM. Das ist wichtig für uns”, schimpfte Toto Wolff und fügte an: “Ich meine, wie hirnlos kannst du sein, sowas überhaupt zu sagen?” Die Onboard-Aufnahmen zeigen klar, wie Antonelli bereits in Kurve 9 das Heck etwas verliert und am Ausgang von Kurve 10 schließlich komplett von der Strecke abkommt.
Warum war Ferrari so katastrophal schlecht?
In Sprint und Grand Prix zusammen holte Ferrari nur vier Punkte – und das ohne großes Pech oder besondere Vorkommnisse. Katar war für die Scuderia aus Performance-Sicht eine absolute Katastrophe. Teamchef Fred Vasseur glaubt, dass man sich mit dem Grund-Setup verhauen hat und so von Anfang an im Hintertreffen war. Dazu vermutet man, dass Ferrari die besonders hohen Luftdrücke geschadet haben.
Warum war Max Verstappen im Rennen besser?
Sicherlich bekam Red Bull den Sieg durch McLarens Strategie-Patzer auf dem Silbertablett serviert. Aber die Rennpace von Verstappen konnte sich durchaus sehen lassen. “Wir haben das Wochenende mit 0,5 Sekunden Rückstand begonnen und lagen dann in der Qualifikation nur noch 0,25 Sekunden hinten. Im Rennen waren wir vielleicht eine halbe Zehntel schneller, gleich schnell oder eine halbe Zehntel langsamer”, meinte Teamchef Laurent Mekies.
Das ist möglicherweise eine etwas optimistische Sichtweise der Rennpace. In freier Fahrt war Oscar Piastri noch immer der schnellste Fahrer. Doch der Rückstand auf McLaren war geringer. Möglicherweise half dabei auch ein Motorwechsel bei Verstappen. Weil ein älterer Motor eingebaut wurde, blieb der Wechsel straffrei. Der zuvor benutzte Brasilien-Motor erzeugte Vibrationen und initiierte so möglicherweise das starke Bouncing. Im Rennen war es besser.
Wie fiel Lance Stroll aus den Punkten?
Eigentlich hätte Lance Stroll den letzten Punkt durch das Boxenstopp-Missgeschick von Oliver Bearman geerbt. Allerdings wurde der Aston-Martin-Pilot bei der Boxendurchfahrt mit 80,9 km/h geblitzt. Dafür wurde die Standard-Strafe von fünf Sekunden fällig. Stroll legte einen Extra-Stopp ein, saß die Strafe ab und fiel dadurch auf Platz 17 zurück.
Gab es einen neuen Boxenstopp-Weltrekord?
Oscar Piastris erster Stopp war ausbaufähig. Hätte die McLaren-Crew eine Runde später Lando Norris ebenfalls in lediglich 3,15 Sekunden abgefertigt, wäre der Brite vielleicht noch weiter zurückgefallen. Bei Piastri war der leicht verzögerte Stopp kein Problem. Bei seinem zweiten Stopp arbeiteten die McLaren-Mechaniker aber umso schneller. Im TV-Bild wurden sogar 1,80 Sekunden eingeblendet – damit hätte man den eigenen Weltrekord eingestellt, der in Katar 2023 aufgestellt wurde. Die Fahrzeugdaten lieferten aber einen etwas langsameren Wert: 2,08 Sekunden betrug die Standzeit bei Piastris zweitem Stopp.
Max Verstappen hat heute das Formel-1-Rennen in Katar 2025 gewonnen. War er auch wirklich der beste Fahrer des Lusail-Wochenendes? Jetzt alle F1-Piloten für das MSM-Ranking bewerten!
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