Hat sich jemand zufällig im Jahr verschaut? Denn der Formel-1-Grand-Prix in Las Vegas 2025 erinnerte zumindest beim Start sehr an das Premiere-Rennen 2023. Max Verstappen holte sich genau wie damals mit einem Überholmanöver in Runde eins, Kurve eins die Führung und den Sieg – dieses Mal aber ohne Fünf-Sekunden-Strafe und mit einem haushohen Vorsprung auf den Zweitplatzierten Lando Norris.

“Das war großartig”, freute sich Verstappen nach dem Rennen. “Das haben wir gut gemacht, auch die Kommunikation mit dem Kommandostand. Es war lustig, entspannt, tatsächlich. Es hat geholfen, dass ich die Führung in Kurve eins übernommen habe.” Der amtierende Weltmeister kam beim Start zwar schlechter weg als sein Titelrivale Norris, doch der verpasste nach einer aggressiven Verteidigung den Bremspunkt. Norris wurde weit hinausgetragen, Verstappen profitierte und übernahm die Führung.

“In seiner Situation musst du die Innenseite abdecken”, verteidigte der Niederländer seinen Kollegen und Freund. “Es ist leicht, vom Bremspunkt überrascht zu werden. Bei normalen Starts fährst du weg und schaust dann in die Spiegel. Aber hier hast du nicht so viel Zeit, weil du gleich wieder bremsen musst. Dazu ist es noch sehr rutschig.” Auf dem staubigen Straßenkurs liegen keine 200 Meter zwischen der ersten Startposition und dem Bremspunkt für Kurve eins.

Verstappen rast Norris davon! Marko: Kann man ihm nicht abgewöhnen

Der Red-Bull-Pilot setzte sich bei freier Fahrt nicht direkt vom Feld ab. Er musste sich in der Anfangsphase gegen George Russell verteidigen, der beim Start ebenfalls an Norris vorbeigekommen war. Doch dessen Reifen brachen in Runde zehn ein und er musste zurückstecken. Verstappen managte danach ungestört an der Spitze, bis er als Letzter der Top-Gruppe an die Box kam.

Einmal musste er jedoch kurz um seine Führungsposition bangen. Denn Russell wechselte bereits acht Runden zuvor auf die harten Pneus und reduzierte den Rückstand auf etwa 22 Sekunden – genau die Zeit, die in Las Vegas bei einem normalen Boxenstopp verloren gehen. Aber Verstappens Stopp war langsam. Er kam trotzdem 1,3 Sekunden vor Russell wieder auf die Strecke und jagte seinen RB21 durch die Straßen der Entertainment-Metropole. Russell, der mit einer beschädigten Lenkung zu kämpfen hatte, konnte ihn nicht einholen.

In der finalen Phase kam Verstappen noch ins Visier von Norris, doch er reagierte sofort. “McLaren hat Lando gesagt: ‘Greif ihn an.’ Das haben wir Max weitergegeben und er hat losgelegt. Eine schnelle Runde nach der anderen, das war sehr souverän”, lobte Dr. Helmut Marko seinen Starfahrer bei ServusTV. Aber Verstappen brachte den Motorsport-Berater zum Schluss noch ins Schwitzen: “Er musste natürlich in der finalen Runde noch die allerschnellste Lap hinknallen. Da ist ein gewisses Risiko dabei, aber das kann man ihm nicht abgewöhnen.”

So kurz vor der Zieleinfahrt noch einmal alles zu geben, hatte Verstappen eigentlich gar nicht nötig. Denn der Vorsprung auf Norris vergrößerte sich massiv. Der musste wegen eines angeblichen Tank-Problems auf der letzten Runde extrem verlangsamen und fuhr 20 Sekunden hinter dem Red Bull über die Ziellinie. Nach dem Rennen kam heraus, dass die Planke am Unterboden beider McLarens zu stark abgenutzt war. Über vier Stunden nach dem Rennende wurde die Disqualifikation von Norris und Oscar Piastri bekanntgegeben. Alle Informationen dazu gibt es hier:

McLaren-Ausfall ein Wunder für Verstappen: Wendung im WM-Kampf?

Mit seinem 69. Karriere-Sieg und seinem achten Podium in Folge hätte sich Verstappen auch ohne ein doppeltes McLaren-Aus an seinen Titelhoffnungen festgekrallt. Doch die Disqualifikation seiner beiden WM-Kontrahenten ist ein Wunder für ihn. Damit zieht er in der Punktewertung mit Piastri gleich und liegt nur noch 24 Zähler hinter Norris. Mit noch zwei Rennen und einem Sprint braucht es aber wohl noch einen Norris-Ausfall, um im Titelkampf realistisch gesehen auf Verstappen zu setzen.

Er selbst denkt natürlich nicht an den Titel, wie er in Las Vegas wieder betonte: “Ich versuche, einfach eine gute Zeit zu haben. Und wenn ich gewinnen kann, dann versuche ich, zu gewinnen.” Doch schon der Performance-Aufschwung seit der Sommerpause stimmt ihn positiv: “Von der Saisonmitte 2024 bis Mitte 2025 waren wir mehr abseits des Podiums als darauf. Aber jetzt sind wir konstanter dort. Das ist ein guter Schritt vorwärts und ein großer Motivationsboost für das ganze Team.”

Helmut Marko, der als Einziger immer an Verstappens fünftem Weltmeistertitel festhielt, sieht mit einem Lächeln auf die nächsten Rennwochenenden. “Katar ist angeblich eine McLaren-Strecke, aber wir haben bewiesen, dass das nicht so an Bedeutung hat. Wenn wir im Sprint und Rennen vorne sind, kann es in Abu Dhabi wieder spannend sein”, prognostizierte der Red-Bull-Berater, noch bevor er von der McLaren-Bombe wusste. Letztes Jahr gewann Verstappen das Rennen in Lusail mit sechs Sekunden Vorsprung auf Piastri und 35 Sekunden Vorsprung auf Norris.

Noch bevor die Disqualifikation bekannt wurde, schrieb Oscar Piastri den Titelkampf ab. F1-Weltmeister 2025 wird er nur mit Glück, ist er überzeugt. Details gibt es hier: