Im Regen von Montreal war es wieder nichts mit einem gemütlichen Sonntagnachmittag für Max Verstappen. Den Sieg musste er sich erneut bei harter Gegenwehr von Mercedes und McLaren erkämpfen. Nur 3,879 Sekunden betrug im Ziel sein Vorsprung auf Lando Norris. Der nach dem Rennen einen verpassten Sieg bemängelt. Doch die Renngötter schlugen sich diesmal auf die Verstappen-Seite.

Begonnen hatte der Kanada-GP für Verstappen schließlich eher mittelmäßig. Nachdem er die Pole verpasst hatte, bemühte er sich nach Kräften, auf der langsam auftrocknenden Strecke den Führenden George Russell unter Druck zu setzen. Den Fehler machte er dann aber selbst – nämlich in Runde 17. Da ging ihm durch die erste Kurve der Grip aus: “Besonders auf den Intermediates, die wurden da schon fast zu Slicks, da war es leicht, abzufliegen.”

Ein kurzer Ausflug durch das Gras war die Folge. Der Fehler brachte Norris direkt an sein Heck, und in Runde 20 ging der McLaren schließlich dabei. Anders als Verstappen schaffte es Norris auch an Russell vorbei in Führung. Zwar brachte ein Fehler des Mercedes-Piloten Verstappen kurz darauf zurück auf den zweiten Rang, doch bei auftrocknenden Bedingungen auf Intermediates war Norris eine Macht. “An dem Punkt schienen McLaren die Favoriten darauf, einfach davonzufahren”, glaubt Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

In Kanada lacht Max Verstappen im Strategie-Fight zuletzt

Innerhalb weniger Runden hatte Verstappen über fünf Sekunden Rückstand. Ehe ein Safety Car auf den Plan trat. Und diesmal war Verstappen der Profiteur. Norris war gerade an der Boxeneinfahrt und konnte nicht mehr abbiegen. Verstappen, und alle hinter ihm, holten sich sofort neue Intermediates ab. Als McLaren eine Runde später stoppte, hatte man zu viel Zeit und damit die Führung verloren. “Jetzt steht es eins zu eins!”, grinst Verstappen, der in Miami im Gegenzug Führung und Sieg wegen eines Safety Cars an Norris verloren hatte.

Max Verstappen führt im Red Bull hinter dem Safety Car nach Unfall von Logan Sargeant im Williams
Das Safety Car fiel in Kanada zu Max Verstappens Gunsten, Foto: LAT Images

Einen zweiten Fehler gönnte Verstappen der Formel 1 in Kanada nicht. Er überstand den Neustart, einen weiteren kleinen Schauer, die schließlich auftrocknende Strecke, und noch ein Safety Car, stets mit einem kleinen Sicherheitspuffer. Teamchef Christian Horner verweist auf kleine Anpassungen beim ersten Stopp, wahrscheinlich Frontflügel und Reifendruck: “Damit haben wir uns in eine bessere Position gebracht.”

Als es zum zweiten Mal auftrocknete und der endgültige Wechsel auf Slicks bevorstand, musste Red Bull noch einmal selbst einen Strategie-Treffer landen. Verstappen und die Box erwischten gemeinsam den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel von Intermediates auf Medium-Slicks, Runde 45. Der Norris-Versuch, zwei Runden länger draußen zu bleiben und so Druck aufzubauen, klappte nicht.

Red Bull noch immer mit Kerb- und Bodenwellen-Problemen

“Wenn du dir das ganze Wochenende anschaust, waren wir nicht das stärkste Team von der Pace her, aber am Ende haben wir den besten Job gemacht”, lobt Verstappen daraufhin. Am Samstag hatte er noch bemängelt, dass Red Bull 2024 eine etwas zu hohe Problem-Quote hatte. Nach dem Rennen stellt er fest: “Wir machen noch immer viele Dinge richtig, aber aus irgendeinem Grund sind wir nicht im gleichen Flow wie im Vorjahr.”

Max Verstappen (Red Bull) führt vor Lando Norris (McLaren)
War er erst einmal wieder vorne, blieb Verstappen auch vorne, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Im Rennen überkam Verstappen diesmal die Probleme. Auch das anhaltende Handling-Defizit bei Unebenheiten, über das er sich besonders bei auftrocknenden Bedingungen wieder beklagte: “Selbst im Rennen hatten wir viele Probleme mit den Kerbs und den Bodenwellen.”

Anders als in Monaco waren die Konsequenzen hier aber nicht so groß. Erst recht nicht im Regen, wo man die Kerbs wenig bis gar nicht befährt. Verstappens WM-Vorsprung ist dadurch wieder auf 56, mehr als zwei Siege, gewachsen.

Und zum Glück entging Verstappen auch noch einem Murmeltier-Desaster. Eines der Tiere kreuzte in einer Runde direkt vor ihm in der letzten Schikane: “Er war fast tot. Auf dem Weg zur letzten Schikane dachte ich erst, es seien Trümmer. Als ich näherkam, dachte ich: ‘Mein Gott, das ist ein Tier!’ Dann bin ich nach rechts gezogen.” Kostete etwas Zeit, blieb aber für alle Beteiligten, auch für das Murmeltier, ohne Folgen.