Keine Chance im Kampf auf die Pole für Max Verstappen. Sicher, Silverstone hatte sowieso am Freitag bei Red Bull schwierig begonnen, aber das Qualifying mit gleich 0,384 Sekunden Rückstand auf dem vierten Platz zu beenden ist doch deutlich schlechter als erwartet für ein Team, für welches die erste Startreihe ganz klar der Anspruch war. Doch nach einem Beinahe-Desaster in Q1 muss das Bild neu justiert werden.

“Es ist wesentlich besser als wir dachten!”, entgegnet Red Bulls Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. In Q1 hatte Verstappen nämlich auf seinem ersten schnellen Slick-Versuch nach einer roten Flagge in der Highspeed-Rechtskurve Copse bei einsetzendem Nieselregen den RB20 von der Strecke geworfen.

Verstappen riskiert im Regen zu viel: Abflug in Copse

Beim Einlenken war Verstappen das Heck entglitten. “Einfach zur falschen Zeit am falschen Ort”, analysiert er danach. “Wir sind etwas spät raus, aber wir haben auch keinen Regen in Q1 mehr erwartet. Als ich aus Kurve 7 rauskam, sah ich ersten Regen auf dem Visier. Die vor mir waren da alle schon durch.”

Im Cockpit konnte Verstappen zu dem Zeitpunkt nicht wissen, dass es nur ein kleiner vorüberziehender Schauer sein würde. Er musste davon ausgehen, dass dieser Versuch mit einer zu 90 Prozent trockenen Strecke seine einzige Chance auf Slicks sein würde: “Du weißt, die vor dir fahren eine Zeit, der Regen kommt, jetzt musst du eine Zeit schaffen. Sonst bist du sowieso raus.”

“Also versuchte ich etwas Speed mit reinzunehmen, bin zwar vom Gas, aber nicht genug, und es war so rutschig, dass es mir entglitt”, beschreibt Verstappen. Einen Dreher vermied er, doch nur, indem er die Lenkung öffnete und geradeaus fuhr. Durch die Auslaufzone bis in das Kiesbett, dann hinaus auf die Zufahrtsstraße am Reifenstapel. Zwar rettete er sich dank wieder nachlassendem Regen mit einem elften Platz noch vor dem Q1-Aus, doch auf den Daten sahen die Ingenieure schon, dass etwas nicht stimmte.

Marko enthüllt: So groß war Verstappens Schaden im Qualifying

Im Kies hatte sich Verstappen seinen Unterboden beschädigt. 100 Punkte Abtrieb fehlten. “Mit den Mechanikern haben wir eine Schnellreparatur geschafft, und Adaptionen, andere Flügel und so weiter, damit haben wir es auf zirka 20 reduzieren können”, verrät Marko. “Dafür ist der vierte Platz eine Sensation.”

Verstappen schließt sich an: “Das Team war toll. Du konntest ihnen die ganze Zeit beim Schleifen zusehen. Wie sie alles optimiert haben. Der Unterboden war in richtig miesem Zustand. Anfangs war ich überhaupt nur happy, dass ich es in Q3 geschafft habe. Das Auto hatte einen massiven Schritt zurück gemacht.”

Ohne die 20 fehlenden Abtriebs-Punkte wäre Verstappen auf jeden Fall vorne im Kampf um die erste Reihe dabei gewesen, rechnet Marko. Verstappen stimmt trotz bisher etwas schwierigem Silverstone-Wochenende zu: “Wir haben einiges am Auto geändert, und ich glaube, es war im Qualifying besser, aber mit dem Schaden konnten wir das nicht wirklich zeigen.”

Pole verpasst, Sieg noch drin: Red Bull bleibt in Silverstone optimistisch

Für das Rennen geht Marko davon aus, dass man den Unterboden über Nacht noch einmal reparieren kann. Immerhin ist es das einzige Exemplar eines kleinen Updates. Das aber, so rechnet er hoch, bringt insgesamt nur gut eine halbe Zehntel.

So sieht man sich auf jeden Fall im Kampf um den Sieg. “Von P4 aus ist alles möglich”, meint Verstappen. “Vielleicht muss ich ein etwas aggressiveres Rennen fahren, was auch ziemlich Spaß machen kann.” Bei den aus der ersten Reihe startenden Mercedes ortet Marko ein womöglich zu aggressives Regensetup, und zeigt daher auf McLaren – mit Lando Norris auf P3 – als größten Gegner: “Oder wir für sie. Wir müssen erst einmal vorbei.”