Die Formel-1-Saison 2024 läuft für Mercedes alles andere als nach Plan. Ganz im Gegenteil: Den eigenen Ansprüchen fährt das Team seit Jahren hinterher, anstatt in dieser Saison wieder die Spitze attackieren zu können, ging es einen Schritt zurück ins Mittelfeld.

Doch in Monaco gelten wie bei kaum einem anderen Grand Prix in der Formel 1 andere Gesetze. In beiden Trainigns am Freitag hinterließ Mercedes einen sehr starken Eindruck. Lewis Hamilton konnte sowohl im FP1 als auch im FP2 WM-Leader und Weltmeister Max Verstappen klar hinter sich halten. George Russell immerhin im ersten Training, in FP2 wurde er von einem technischen Problem gestoppt.

Charles Leclerc: Störenfried in der Mercedes-Idylle

Doch es gibt in der Mercedes-Idylle ein Problem und das heißt Charles Leclerc. Der Ferrari-Pilot gab am Trainings-Freitag den Ton an und konnte trotz einer Verkehrsbehinderung die schnellste Zeit setzen. Auf seiner zweiten Runde, die der Monegasse abbrach, hätte er wohl nochmal drei Zehntelsekunden schneller können. Die Favoritenrolle scheint glasklar dem Lokalmatador zuzufallen. “Es funktioniert bei uns alles sehr gut, aber Charles liegt weit vorne”, analysierte George Russell. Abgesehen davon gab sich Russell aber zufrieden.

Hamilton war ebenfalls guter Dinge und griff sogar zu Superlativen: “Es war ein guter Tag. Wahrscheinlich der beste, den wir in diesem Jahr bisher hatten.” Dabei lobte er vor allem das Fahrgefühl im Mercedes W15 und den Grip, den dieser auf der engen Stadtstrecke aufbauen konnte. Perfekt sei die Abstimmung seines Formel-1-Wagens allerdings noch nicht.

“Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um die Longruns und das Graining an den Vorderreifen zu verbessern”, sagte Hamilotn. Beides klingt jedoch eher nach sekundären Baustellen. Denn der Longrun ist auf dem extrem überholfeindlichen Kurs so gut wie kein Faktor, der Reifenverschleiß geht ebenfalls gegen null. Die Entscheidung in Monte Carlo fällt üblicherweise im Qualifying.

Russell-Lenkrad vermiest Mercedes die Show

Russells Tag verlief etwas turbulenter als jener von Hamilton. Vor allem in FP2. Denn sein Lenkrad offenbarte eine überaus störende Eigenheit. “Sobald ich auf die Bremsen trat, schüttelte das Lenkrad wie verrückt. Ich weiß nicht, was da los war”, rätselte der Brite. “Ich habe mich so stark an das Lenkrad geklammert, wie nur möglich. Ich hielt es wie ein Gorilla, aber es schüttelte einfach weiter”, beschrieb Russell. Mercedes ließ seinen Wagen deshalb vor dem Ende von FP2 vorzeitig an der Box abstellen, um dem Problem auf den Grund zu gehen.

Mercedes-Fahrer George Russell
George Russell kämpfte in Monaco weniger mit der anspruchsvollen Strecke, sondern mehr mit seinem Lenkrad, Foto: LAT Images

Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin kündigte eine rasche Fehlersuche an. “Das müssen wir bis morgen in den Griff bekommen, denn es schien im Laufe des Tages schlimmer zu werden und war heute Nachmittag sehr störend.” Am Samstag muss Mercedes erst einmal seine Pace unter Beweis stellen. Dann ist wohl auch wieder mit Max Verstappen zu rechnen. Denn Red Bull hatte am Freitag den Motor noch nicht so weit aufgedreht wie die Formel-1-Konkurrenz.

Bei Mercedes lief es in der Formel-1-Saison 2024 noch gar nicht nach Plan. Wir diskutierten vor einigen Wochen darüber, wo in Brackley die Probleme liegen.

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