Las Vegas hat Mercedes kein Glück gebracht im Spiel um WM-Rang zwei in der Konstrukteurs-WM. Nach den Plätzen sieben für Lewis Hamilton und acht für George Russell ist der Vorsprung auf Ferrari auf mickrige vier Zähler geschrumpft. Am kommenden Wochenende in Abu Dhabi geht es um Millionen im WM-Duell gegen die Scuderia.

Nur einem ist das schnuppe: Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Der Wiener jedenfalls lässt sich nicht davon beeindrucken, dass Sergio Perez den Vize-Titel seinem eigenen Star Lewis Hamilton abgeluchst hat. „Ob P2 oder P3 ist für mich völlig uninteressant“, sagt Wolff bei Sky. „Es geht um den Sieg. Für die Mitarbeiter macht es einen Unterschied, auch finanziell, aber mir ist das herzlich egal.“

Dagegen spricht eine sportlich nicht ganz faire Aktion des Mercedes-Teams am Wochenende im Spielerparadies. Hintergrund: Der Automobilweltverband FIA wollte nach dem Gully-Unfall von Carlos Sainz eigentlich auf eine Strafe wegen des daraus folgenden Batteriewechsels verzichten. Mercedes aber soll der Ausnahmegenehmigung als einziges der zehn Teams nicht zugestimmt haben. So jedenfalls erzählt man es sich im Fahrerlager von Las Vegas und so berichtete es auch Sky Deutschland.

Die Mercedes-Presseabteilung streitet das zwar ab und beruft sich laut Sky England darauf, dass die Regeln keinen Ermessensspielraum zulassen – selbst wenn den Fahrer oder das Team keine Schuld trifft. Fest steht dennoch: Nur der entsprechenden Startplatzstrafe für Sainz hat Mercedes es zu verdanken, dass Platz zwei in der Konstrukteurs-WM noch in silberner Hand ist.

Russell erhielt für seine Kollision mit Verstappen fünf Strafsekunden.

Bild: F1 / X


So oder so: Wolffs Stimmung war am Wochenende auf dem Tiefpunkt. Das blieb auch nach dem GP so. Sein Fazit: „Das Rennen summiert die Saison. Die Pace des Autos war absolut gut für das Podium, aber jetzt geht man mit sieben oder acht Punkten nach Hause. Das ist kein gutes Ergebnis.“

Ein Ergebnis, das sich die Mercedes-Fahrer aber selbst zuzuschreiben haben. George Russell kollidierte übermütig mit Max Verstappen, als er dem späteren Sieger die Tür noch zuschlagen wollte, als der längst drin stand. Die Folge: fünf Strafsekunden.

Russell gibt sich einsichtig: „Das war heute meine Schuld. Ich habe Verstappen einfach nicht gesehen. Er befand sich im toten Winkel und wir berührten uns. Das war komplett mein Fehler. Es war wirklich schade, denn wir lagen auf Kurs zu einem Podestplatz. Es fühlt sich an, als hätten wir heute wieder ein Rennen weggeworfen. Das ist die Geschichte unserer Saison.“

Auch Hamilton blieb nicht fehlerfrei, zog sich nach einer Berührung mit dem McLaren von Oscar Piastri einen Reifenschaden zu, mit dem er eine komplette Runde zurücklegen musste und zwischenzeitlich bis ans Ende des Feldes zurückfiel. „Es war eigentlich keine wilde Aktion“, erklärt Hamilton. „Ich bin innen rein, es war etwas staubig und ich hatte Untersteuern. Dann gab es den Kontakt. Es war ein Rennvorfall.“ Als Letzter startete der siebenmalige Weltmeister eine Aufholjagd, die ihn immerhin noch bis auf Rang sieben brachte.

Zu wenig, um zufrieden zu sein mit dem Wochenende, dessen chaotischer Zeitplan mit diversen Nachtsitzungen „unsere Lebenszeit sicher nicht verlängert hat“, betont Toto Wolff abschließend und ergänzt versöhnlich: „Aber das war es wert.“ Wirklich?