Für Charles Leclerc ist der Monaco-GP eine ganz besondere Angelegenheit. Immerhin handelt es sich um das Heimrennen des Monegassen in Ferrari-Diensten. Und er liebt die Strecke, ist hier unheimlich schnell. Zum dritten Mal startet Leclerc 2024 im Fürstentum auch von der Pole Position. Nur gibt es ein Problem mit seinem Griff nach dem großen Heimsieg.

Statistisch spricht nicht gerade viel dafür. So kann im Fall von Leclerc und Monaco alles andere als von einem Heimvorteil die Rede sein. Obwohl er hier schon seit Jahren in der Formel 1, und auch in Nachwuchsklassen, angetreten ist, hat er überhaupt erst zwei von sieben gefahrenen Rennen in Monte Carlo beendet. Stattdessen haftet ihm hier eine fast beispiellose Pech-Serie an, egal ob ihm sein Team den Sieg nimmt, oder er selbst ein Auto von Niki Lauda schrottet. Die komplette Desaster-Serie im Überblick.

Formel 2 Monaco 2017: Doppel-DNF für souveränen F2-Meister

Gleich in seiner Rookiesaison gewann Leclerc 2017 souverän den Titel in der Formel 2. Sein dunkelstes Wochenende erlebte der Monegasse ausgerechnet in Monaco – sowohl im Hauptrennen als auch im Sprintrennen schied der Prema-Pilot vorzeitig aus. Alles für den Erfolg getan hatte Leclerc allerdings. Für das Hauptrennen sicherte er sich die Pole, gewann den Start gegen Alex Albon und führte bis über die Rennhälfte hinaus deutlich. Dann warf Leclerc erst Safety-Car-Pech zurück, ehe gebrochene Sturzscheiben, Leclerc zufolge beim vorherigen Boxenstopp beschädigt, nicht nur die letzten Siegchancen ruinierten, sondern Leclerc in Runde 26 als vierten Piloten zur Aufgabe zwangen.

Nach dem Start standen die Zeichen noch auf Sieg, Foto: Sutton
Nach dem Start standen die Zeichen noch auf Sieg, Foto: Sutton

So legte der Monegasse im Sprint von weit hinten los. In einem Rennen ohne Boxenstopps in Monaco fast schon aussichtslos. So sollte es kommen wie später mit Ferrari in der Formel 1 (siehe unten). Nach drei erfolgreichen Manövern in Rascasse kollidierte Leclerc zunächst mit Norman Nato und kassierte zehn Sekunden Zeitstrafe. Später schied er durch einen Defekt vorzeitig aus.

Formel 1 Monaco 2018: Bremsversagen für Sauber-Rookie

Bei seinem ersten Heimrennen als Formel-1-Fahrer präsentierte sich Leclerc sofort in Spitzenform. Eingewöhnungsprobleme in Monaco? Nicht mit Saubers Super-Rookie! In allen Trainings ließ Leclerc seinen Teamkollegen Marcus Ericsson klar hinter sich, im Qualifying erreichte der Youngster sogar das Q2. Doch auch in diesem Monaco-GP sollte Leclerc nicht die Zielflagge sehen. Diesmal unverschuldet und hochdramatisch. Nach 70 von 78 Runden schied der Monegasse, zu diesem Zeitpunkt auf P12, mit plötzlichem Bremsversagen in der Hafenschikane aus. Sein Sauber wurde unkontrollierbar, so riss Leclerc den Toro Rosso von Brendon Hartley gleich mit ins Verderben. Immerhin gewertet wurde Leclerc aufgrund der zurückgelegten Distanz – auf Platz 18.

Formel 1 Monaco 2019: Zu viel Risiko nach Qualifying-Flop

Leclercs erster Start in Monaco mit Ferrari war ebenfalls ein Spießrutenlauf. Diesmal schaffte der Monegasse im Rennen immerhin 16 Runden, ehe das Ende aller Resthoffnungen kam. Resthoffnungen, weil der Grand Prix bereits nach dem Qualifying ruiniert war. Im Q1 hatte Leclerc nicht den besten ersten Run absolviert. Ferrari ging allerdings davon aus, dass es dennoch für Q2 reichen würde und ließ den Monegassen keinen zweiten Versuch starten. Das stellte sich als Fehleinschätzung heraus. Die Strecke verbesserte sich derart, dass Leclerc ausschied. In der Box stehend. Am Auto lag es nicht. Teamkollege Sebastian Vettel erzielte die Bestzeit des Q1.

Das Rennen startete Leclerc vom 15. Startplatz mit viel Wut im Bauch. Volles Risiko müsse er nun gehen, kündigte er selbst an. Trotz der engen Straßen von Monaco hatte sich Leclerc dank beherzter Manöver nach acht Runden tatsächlich schon bis auf P12 vorgearbeitet. Dann übertrieb er es – wie einst in der Formel 2 – in der Rascasse. Beim Überholversuch gegen Nico Hülkenberg berührte Leclerc innen die Bande. Das führte zu einem Plattfuß. Auf der nächsten Runde begann der Reifen sich aufzulösen. Das zerstörte den Unterboden seines Ferrari. Zunächst ließ Ferrari Leclerc noch weiterfahren, dann wies man ihn an, das Auto abzustellen. Der Schaden war zu groß.

Formel 1 Monaco 2021: Pole, Unfall & kein Start

Schon im ersten Training schlug der Monaco-Fluch erstmals zu. Leclerc verpasste wegen Getriebeproblemen nahezu das gesamte Auftakttraining. Trotz nur vier Runden im FP1 glänzte der Ferrari-Pilot danach sofort mit Pace. Im Qualifying lag Leclerc vor dem großen Showdown sogar provisorisch auf Pole. Dann krachte es. In der zweiten Schwimmbad-Schikane nahm Leclerc zu viel Risiko, touchierte innen die Leitschiene und landete am Kurvenausgang in der nächsten. Das sicherte Leclerc zwar die Pole, bescherte allerdings große Sorgen. Hatten Chassis oder Getriebe Schaden genommen? Das hätte eine Strafversetzung oder sogar einen Start aus der Boxengasse bedeutet.

Ferrari gab nach Analysen am Abend und Sonntagmorgen jedoch Entwarnung. Alles in Ordnung. Dann der Schock noch vor dem Start. Auf der Sichtungsrunde in die Startaufstellung brach hinten links die Antriebswelle. Eine direkte Folge des Unfalls am Tag zuvor, wie Ferrari später feststellen musste. Ihre Unfall-Prozedere hatten jedoch genaue Checks auf der anderen Fahrzeugseite nicht vorgesehen. Jetzt war es zu spät. So kurz vor dem Start war das nicht mehr zu reparieren. Statt von Pole oder zumindest von weiter hinten konnte Leclerc nun gar nicht erst starten.

Monaco Historic 2022: Leclerc crasht Lauda-Ferrari

Schon lange vor dem Formel-1-Rennen erlebte Leclerc 2022 die Fortsetzung seines Monaco-Fluchs. Auf einer Demo-Runde im Rahmen des traditionellen Historic-GP im Fürstentum verlor er auf dem Weg zu Rascasse das Heck eines 40 Jahre alten Ferrari F312B3 von Niki Lauda und schlug rückwärts in die Streckenbegrenzung ein. Dabei wurde vor allem der Heckflügel des historischen Boliden beschädigt.

Via Social Media klärte Leclerc – mit einer gehörigen Portion Galgenhumor wegen seiner Vorgeschichte in Monaco – den Unfallhergang auf: “Wenn du dachtest, du hättest schon alles Pech der Welt in Monaco gehabt und du dann in einem der kultigsten Formel-1-Autos von Ferrari die Bremsen verlierst”, schrieb der Ferrari-Pilot.

Formel 1 Monaco 2022: Ferraris strategische Regen-Pleite

2022 reiste Leclerc sogar mit WM-Ambitionen nach Monaco. Und untermauerte seine Sieg-Ansprüche gleich einmal mit seiner zweiten Pole. Dann kam der Sonntag – und der Regen. Und dann kamen die Ferrari-Strategen. Die waren überfordert, als es im Rennverlauf begann aufzutrocknen. Erst reagierten sie beim Wechsel von Regenreifen auf Intermediates zu spät und sorgten dafür, dass Leclerc hinter den Red Bull von Sergio Perez zurückfiel.

Damit nicht genug: Nur drei Runden später war es bereits Zeit für Slicks, doch die Ferrari-Box rief diesmal Leclerc und den vor ihn fahrenden Teamkollegen Carlos Sainz gleichzeitig rein. Damit hatte man innerhalb weniger Runden mit zwei Boxenstopps Leclercs Führung in einen vierten Platz verwandelt. Schlimmer hätte Leclercs erste Zielankunft zuhause nicht werden können.

Formel 1 Monaco 2023: Erst bestraft, dann chancenlos

Leclercs Ausfall-Serie war also vorbei, aber mit dem Gewinnen war auch 2023 nichts. Die Pole verpasste er nur um eine Zehntel, was schon P3 bedeutete. Oder eher P6, denn das Team verschlief es am Ende von Q3, ihn über Verkehr zu informieren, was ihm drei Strafplätze eintrug. Damit schien das Rennen ohnehin schon gelaufen, doch vielleicht hätte erneutes Regen-Chaos ihm helfen können…

So oder so war die Strategie dabei aber wieder ein Griff ins Klo. Diesmal setzte der Regen ein, diesmal ließ Ferrari beide Fahrer zu lange auf Slicks draußen. Trotzdem wurde er noch Sechster. Es ist bezeichnend, wenn ein uninspirierter sechster Platz das am wenigsten schlimmste Ergebnis der Karriere ist.