Die Formel 1 hat sich 2024 spannungstechnisch innerhalb weniger Wochen zugespitzt. In der Saison, die wie ein lockeres Schaulaufen für Red Bull begann, mischen inzwischen McLaren und Ferrari mehr als nur mit. In Miami wurde Verstappen von Norris besiegt, in Imola rettete er den Rennsieg knapp vor dem Briten. In Monaco war anschließend Charles Leclerc im Ferrari tonangebend, Red Bull hingegen ohne Chance.

Beim Kanada-GP wartet bereits die nächste Herausforderung auf die Bullen. Denn obwohl der 4,3-Kilometer lange Power-Kurs in Montreal auf den ersten Blick wenig mit jenem in Monte Carlo gemein hat, teilen sich die beiden Strecken doch einige Charakteristiken. Denn auch beim Circuit Gilles Villeneuve handelt es sich um einen Straßenkurs mit kurzen Kurven, Schikanen und einigen langsamen Ecken. Vor allem aber mit hohen Kerbs, die häufig überfahren werden müssen.

Perez freut sich auf Kanada-Challenge: Nicht unsere stärkste Strecke

“Es ist großartig, dass wir sofort in vielen Bereichen eine ähnliche Herausforderung haben wie in Monaco”, blickt Sergio Perez, der erst vor wenigen Tagen eine Vertragsverlängerung unterzeichnet hat, voller Elan auf das anstehende Wochenende. Er zweifelt aber daran, ob es ein erfolgreiches sein wird: “Ich erwarte, dass wir [im Vergleich zu Monaco] ein bisschen schneller sind. Aber ich denke nicht, dass es eine unserer stärksten Strecken ist.”

Die Kerbs sind vor allem ein grundlegendes Problem für den RB20. In Monaco machten sie den Boliden schwer kontrollierbar und brachten ihn zum Springen. “Wie ein Känguru”, so beschrieb Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko das Fahrverhalten des Autos vor zwei Wochen. Die Simulationen in Milton Keynes hatten das Defizit ihres Boliden nicht ganz so stark auf der Rechnung, weshalb das Weltmeister-Team am Rennwochenende davon überrascht wurde.

Max Verstappen sah in der Monaco-Performance seines Autos einen Weckruf: “Das war seit dem ersten Tag dieses neuen Reglements ein Problem und es war etwas, das wir noch nicht lösen konnten.” Jetzt soll ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, diese Lösungen zu entdecken.

Red Bull versuchte in den vergangenen beiden Wochen durch zusätzliche Analysen und durch spezifische Arbeit an dieser Baustelle die Symptome zu lindern. Um technische Lösungen für das Problem im Angebot zu haben war der Zeitraum aber natürlich zu kurz.

Rettet der Regen Max Verstappens Favoritenrolle?

Perez ist sich sicher: “Es wird nicht so extrem sein, wie in Monaco.” Er schiebt jedoch hinterher: “Aber es ist natürlich eine Strecke, auf der man viel auf den Kerbs unterwegs ist. Deshalb erwarte ich, dass wir in diesem Hinblick etwas leiden werden.”

Den Kampf um den Sieg will Red Bull dennoch nicht abschreiben. Denn es könnte Hilfe von oben kommen. Wie so häufig an einem Formel-1-Wochenende in Montreal ist der Regen ein ständiger Begleiter. An allen drei Tagen ist Regen nicht nur möglich, sondern aus heutiger Sicht sogar wahrscheinlich. Das könnte die Red-Bull-Probleme überdecken. Verstappen will aber nicht an die Regengötter appellieren. “Es ist mir ehrlich gesagt egal. Ob es trocken ist oder nass, es geht”, gibt sich der WM-Leader unbekümmert.