50 Runden lang sah es so aus, als hätte Max Verstappen in Imola im Rennen alles unter Kontrolle. Er dominierte nicht, aber vom Start weg fuhr er eine kleine Führung auf den McLaren von Lando Norris auf. Lange bewegte die sich zwischen sechs und sieben Sekunden. Doch plötzlich geriet es außer Kontrolle. Und beinahe ging der Sieg verloren.

“Das war kein Rennen für schwache Nerven!”, meint Red Bulls Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko danach auf ServusTV. Für den Zuseher wurde das Ausmaß der Verstappen-Probleme erst in den letzten 10 Runden so richtig sichtbar. Aber auf der Boxenmauer sah man schon davor eine sich sukzessiv verschlechternde Situation. Der harte Reifen gerät ins Visier.

“Ich habe die Lücke ursprünglich auf dem Medium aufgefahren, damit waren wir stark”, meint Verstappen. “Da waren wir glaube ich auch schneller als McLaren und Ferrari.” Nicht so nach dem einzigen Boxenstopp und dem Wechsel auf Hard. Marko liefert erste Details: “Die ersten zwei, drei Runden waren okay. Dann ist die Temperatur gesunken.” Verstappen schaffte es einfach nicht, den Hard im optimalen Arbeitsfenster zu halten.

Marko lobt: Verstappen-Können macht am Reifen-Limit den Sieg klar

Ein Reifen außerhalb des Temperaturfensters – das bedeutet weniger Grip, mehr Rutschen, und schließlich mehr Verschleiß. Und aufgrund der von McLaren losgetretenen frühen Stopps noch vor Runde 30 hatte Verstappen nun noch einen langen Weg zum Sieg vor sich. Die letzten 10 Runden wurden eine Horrorshow: “Es war wie auf Eis. Du kannst spüren, wenn die Reifen keinen Grip mehr aufbauen. In Kurve 7 bin ich fast bis in die Tribüne.”

“Ich musste richtig komische Linien fahren”, beschreibt Verstappen. “Die letzten 10 Runden versuchte ich nur zu überleben, und dann zog Lando die Pace an.” Der mit deutlich besserem Reifenverhalten gesegnete Norris-McLaren wurde aber immer größer im Rückspiegel. Und der Red Bull war nahe dran, komplett einzubrechen.

Red Bull-Pilot Max Verstappen führt vor Lando Norris im McLaren das Rennen an
Der Druck von McLaren war in Imola hoch, Foto: LAT Images

Schlimmer noch: Auf dem Medium war der RB20 zwar gut, aber etwas zu untersteuernd gewesen, und Verstappen hatte dreimal die Track Limits überfahren. Der nächste Verstoß würde eine Zeitstrafe auslösen. Doch Verstappen blieb cool: “Ich versuchte einfach meine Pace zu gehen. Du kannst keine halbe Sekunde erzwingen, wenn du die Balance nicht hast. Ich versuchte einfach, keine Fehler zu machen und um die Balance herumzufahren.”

“Max war unglaublich, ist ein absolut fehlerfreies Rennen gefahren”, ist Marko unter diesen Umständen begeistert. “Lando war deutlich schneller. Gottseidank hatte er drei, vier Wackler, die verhindert haben, dass er ins DRS gekommen ist.” Erst zu Beginn der letzten Runde verkürzte Norris den Rückstand auf unter eine Sekunde. Zu spät. 0,725 davon blieben für Verstappen bis zum Zielstrich übrig, der Sieg war in trockenen Tüchern.

Red Bull alarmiert: Hard-Problem besteht seit mehreren Rennen

Nun beginnt für Red Bull die Ursachenforschung. Marko vermutet die Ursachen in einem durchwachsenen Setupfindungsprozess. Verstappen und das Team hatten alle drei Trainingssessions gebraucht, um einen bockigen RB20 für die Fahrer fahrbar zu machen. Zwischen FP3 und Qualifying hatte man auch das Setup noch einmal umgestellt.

Damit hatte man keine Erfahrung mit vollen Tanks im Renn-Trimm. “Was wir für das Qualifying gemacht haben, um den Reifen besser aufzuheizen, war für den Hard glaube ich nicht das Optimum”, schließt Marko daraus. Ein Warnschuss für die WM-Führenden: “Es ist keine einheitliche Tendenz, aber es waren jetzt zwei, drei Rennen, wo wir mit den harten Reifen nicht so gut zurechtgekommen sind und wo auch der Reifenverschleiß durch niedrige Temperaturen noch höher hinaufgegangen ist.”

So fordert auch Verstappen: “Wir müssen analysieren, was da falsch gelaufen ist. Auf Hard war McLaren einfach schneller, und ich glaube auch Ferrari.” Wenig überraschend ist Norris dafür frustriert, den zweiten Sieg in Serie so knapp verpasst zu haben. Mehr vom McLaren-Piloten gibt es hier: