In Silverstone spürt die Formel 1 noch ein paar Nachwehen vom Österreich-Wochenende. Insbesondere bei der Regel-Debatte. Wie zu erwarten war, wurde das im üblichen Fahrer-Briefing am Freitag angerissen. Mittendrin in dieser Debatte: Oscar Piastri. Frustriert nach dem Ärger im Österreich-Qualifying ging er in das Briefing. Besänftigt wurde er nicht: “Der Frust der letzten Woche wurde gestern wieder entfacht.”

Für Piastri dreht sich der Ärger darum, dass ihm seine beste Qualifying-Runde in Österreich gestrichen wurde, weil er um Zentimeter die Track Limits übertrat. An einer Stelle, wo direkt hinter dem Kerb sowieso ein Kiesbett, und jeder Verstoß daher eigentlich irrelevant ist. McLaren hatte sogar gegen die Streichung protestiert, war aber mit Verfahrensfehlern gescheitert.

Piastri stößt sich nicht nur an den Umständen der Irrelevanz, sondern auch an der Beweisführung, welche die FIA-Stewards zur Streichung anwandten. Erst hatte er geglaubt, dass man ihn basierend auf der Helikopter-Kamera überführt hatte. Nicht durch eine Methode, die bei jeder Runde angewandt werden kann. “Es war nicht das Helikopter-Ding, das wurde offenbar nicht hergenommen”, weiß er aber inzwischen. “Was noch besorgniserregender ist, wenn wir uns anschauen, was hergenommen wurde …”

Zu viele Details will Piastri aus dem Briefing, an dem stets alle Fahrer, Teams und Vertreter der Rennleitung teilnehmen, nicht an die Öffentlichkeit tragen. Nur kann er seinen Frust nicht verbergen. “Sie waren ziemlich mies”, meint er zu den gegebenen Erklärungen. Ist er mit den Fazits zufrieden? “Nein.”

Piastri bleibt dabei: Track-Limit-Methode war nicht korrekt

“Die Methodologie zur Streichung der Runde war nicht korrekt, und das ist ziemlich frustrierend”, hält Piastri fest. Die Fahrer hatten am Donnerstag schon ein langes Briefing erwartet. Fest steht erst einmal, dass die FIA ihre Track-Limit-Vorgaben nicht aufweichen wird. Die Direktive bleibt: Jedes Übertreten der weißen Linie wird als Verstoß gewertet. Egal, ob man sich dadurch einen Vorteil verschafft. Selbst wenn man durch das Kiesbett fährt.

Sergio Perez (Red Bull) vor Oscar Piastri (McLaren) und Nico Hülkenberg (Haas)
Trotz Kiesbetten sind Track-Limit-Vergehen immer möglich, Foto: LAT Images

“Wir hatten denke ich ein sehr offenes Gespräch über mögliche Verbesserungen, und sie waren größtenteils sehr aufgeschlossen”, versucht Piastri positiv zu bleiben. “Wir haben echt viele Fortschritte gemacht. Nur bei ein paar Dingen brauchen wir noch kleine Schritte.”

“Manchmal sollte der Hausverstand gewinnen”, fordert Piastri hinsichtlich der Track-Limit-Prinzipien. “Sicher, das aktuelle System ist einfach. Du fährst raus, und alles ist Track Limits. Gewissermaßen ist das konstant und leicht zu befolgen. Aber wenn du eindeutig keinen Vorteil dadurch hast, fühlt es sich unnötig hart an.”

Piastri räumt auch ein, dass es für die Rennleitung und Stewards schwierig ist, bei potenziell zahlreichen Übertretungen jede einzelne separat auf diese Vorteilsfrage hin zu untersuchen und auch eine separate Entscheidung zu treffen. “Ich habe Verständnis für sie, dass es von Fall zu Fall nicht leicht ist. Da haben wir gute Fortschritte beim gegenseitigen Verständnis gemacht.”