Alpine ist zurzeit eigentlich kein Formel-1-Team, das positive Schlagzeilen schreibt. Ständiger Streit zwischen den Fahrern, das mögliche Auslagern der Motorenabteilung und heute Morgen wurde dann mit der Rückkehr von Flavio Briatore auch noch eine kontroverse Personalie bekannt. Im Training in Barcelona war von diesem Chaos aber nichts zu sehen. Im Gegenteil: Besonders Pierre Gasly geigte ganz groß auf!

Aero-Probleme behoben und schon ist Gasly schnell

Wenn ein Alpine vor Max Verstappen in der Wertung liegt, dann müssen sich die Fans kurz die Augen reiben. “Als ich meine Runde beendete, war ich sehr zufrieden. Das ist eine positive Überraschung. Da hatte ich schon auch ein Lächeln im Gesicht, als ich gesehen habe, wo wir standen”, gestand auch Gasly, dass er das niemals erwartet hatte. Platz 4 stand da auf der Zeitenliste. Doch nicht nur das war beeindruckend. Auf die Bestzeit von Lewis Hamilton fehlten gerade einmal 179 Tausendstel. Wie war das möglich?

Renault-Motoren vor dem Aus! Explodiert das Alpine F1-Team? (09:51 Min.)

“Heute Morgen hatten wir ein paar Probleme an der Aerodynamik meines Autos. Wir konnten sie beheben und sofort fühlte es sich gut an”, beschrieb Gasly eine Wende vom ersten auf das zweite Training. Aber eine wirkliche Erklärung für die überraschende Pace des eigentlichen Mittelfeldautos A524 konnte der Franzose nicht liefern. Auch ohne Aero-Probleme wäre eine solche Platzierung zuletzt eigentlich undenkbar gewesen, selbst wenn weniger Sprit an Bord war und der Motor vielleicht etwas mehr aufgedreht wurde, als bei den Spitzenleuten.

Dabei ist Gasly sogar nicht vollständig zufrieden: “Was das Gefühl angeht, gibt es aber immer noch einige Dinge, die ich im Auto als nicht angenehm empfinde. Das würde ich für morgen gerne noch verbessern, aber die Basis ist auf jeden Fall einmal gut.” Wie es in den Longruns im Vergleich zur Konkurrenz aussieht, konnte er, ohne im Debrief gewesen zu sein, noch nicht sagen. Eines steht aber fest: “Das war heiß da draußen und es gab einiges an Verschleiß. Ich denke wir können erwarten, dass es so wie letztes Jahr wird.” Mindestens zwei Stopps also.

Auch Ocon überrascht: Qualifying soll Klarheit über Alpine-Fortschritt bringen

Bei Gaslys fantastischer Runde ging fast ein wenig unter, dass auch der zweite Alpine alles andere als schlecht unterwegs war. Esteban Ocon platzierte sich als Neunter in den Top 10. Auf den Teamkollegen fehlten etwa drei Zehntel. Dafür hatte er aber eine Erklärung: “Es war keine gute Runde, ich hatte Verkehr. In der gesamten Session gab es einige Störungen, sowohl auf eine Runde als auch im Longrun.”

Alpine-Fahrer Esteban Ocon
Auch Esteban Ocon war gut unterwegs, Foto: LAT Images

Im Umkehrschluss heißt das wohl, dass auch Ocon in die Gasly-Region hätte vorstoßen können. Auch er weiß nicht, warum Alpine so weit vorne war: “Es ist interessant und ein bisschen unerwartet. Wir müssen verstehen lernen, warum es so gut funktioniert.” Groß aus dem Fenster lehnen wollte er sich noch nicht. Die Wahrheit wird am Samstag ans Licht kommen, aber es könnte auch eine schöne für die Franzosen werden: “Die meiste Testarbeit wird auf diesem Layout verrichtet. Wenn wir diese Pace morgen auch haben, dann zeigt das, dass das Auto funktioniert.”