— 18.10.2020

Rosberg im Audi R8 LMS GT3 mit Steer by Wire

Nico Rosberg hat sich mit einem GT3-Audi ohne Lenksäule auf die Nordschleife gewagt

Wenn ein Weltmeister am digitalen Steuer dreht… Nach der Bewährungsprobe des Porsche Cayman 718 GT4, der das 24h Rennen auf dem Nürburgring ohne mechanische Verbindung in der Lenkung erfolgreich gefahren ist, hat sich Nico Rosberg ins Steer-by-Wire Cockpit des Audi R8 LMS GT3 von Schaeffler Paravan gesetzt und den Space-Drive-Technologieträger auf der Nordschleife einem Härtetest unterzogen.

Rosberg absolvierte damit die erste High-Speed-Fahrt für einen GT3 Boliden ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkeinheit und Lenkgetriebe auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt!

„Mir ist kein einziger Nachteil aufgefallen, auch Curbs oder kleinere Vibrationen waren zu spüren“, sagt der ehemalige Formel-1-Weltmeister zu AUTO BILD. „Ich würde gern mehr im Detail herausfinden: Wie genau man das schafft, den Input so genau von den Reifen zum Lenkrad abzubilden. Das ist software- und sensortechnisch eine Riesenherausforderung. Diese Technologie wird für die zukünftige Fahrzeugentwicklung eine wichtige Rolle spielen. Ohne Lenksäule hat man einen enormen Platzgewinn und kann den Innenraum frei gestalten.“
Rosberg im Audi R8 LMS GT3 mit Steer by Wire

Rosberg hat sich mit einem GT3-Audi ohne Lenksäule auf die Nordschleife gewagt

Hintergrund für den Test war die geplante engere Zusammenarbeit zwischen Rosbergs TRE GmbH (ein Teil vom Team Rosberg) und Schaeffler Paravan mit Blick auf die Entwicklung neuer Fahrzeugkonzepte.

Rosberg: „Die Zusammenarbeit zwischen TRE und Schaeffler Paravan entstand beim Projekt ,Schaffler Mover‘, bei dem TRE das komplette Corner Modul entwickelt hat.“ Das Modul ermöglicht es dem Fahrzeug, seitlich einzuparken und sich auf der Stelle zu drehen.

Nun also die Lenkung ohne mechanische Lenksäule, die Schaeffler Paravan „Space Drive“ nennt. „Eine konventionelle Lenkung verfügt über eine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und dem Lenkgetriebe“, erklärt Rosberg. „Dies ist durch eine elektronische Steuerung der Lenkung nicht mehr nötig. Die elektrischen bzw. elektronischen Impulse von einem Joystick, Minilenkrad oder einem anderen Eingabegerät werden per Kabel an eine zentrale Steuerungseinheit weitergegeben, welche die Lenksignale dann an den Servomotor weiterleitet.“

Mit Blick auf die Entwicklung neuer Fahrzeugkonzepte kann man – analog zum Schaeffler Mover – sogar noch einen Schritt weiter gehen und die Räder komplett voneinander entkoppeln. Rosberg: „Durch den Wegfall der Lenkachse bekommt man sowohl im Innenraum als auch im Motorraum mehr Platz der frei genutzt werden kann. Dadurch kann das Auto ganz neu gedacht werden, mit Blick auf die Gestaltung neuer Innenraum- und Fahrwerkskonzepte.“

Dadurch wird es egal, ob der Fahrer links oder rechts sitzt, ob das Fahrzeug per digitalen Lenksystem gesteuert oder per GPS-Signal ganz autonom gefahren wird.

Rosberg über das Forcefeedback-Lenkrad im Audi: „Es fühlt sich wirklich genauso wie im Auto auf der Strecke an, genau wie das mechanische System. Ich war total überrascht, dass man den Unterschied nicht spürt.“

In der dritten Generation von Space Drive wird das System aktuell komplett überarbeitet. Ziel: unter anderem leistungsfähigere Elektromotoren und Elektronik. Space Drive 3 stellt damit die Basisentwicklung für die Großserienreife dar. Und auch Rosberg will mit seiner Firma TRE in Zukunft noch enger mit den Bayern zusammenarbeiten. Der ehemalige Formel-1-Weltmeister strebt nach noch intelligenteren Lösungen für die Mobilität von morgen.