Die ersten 18 Fahrer trennten im Qualifying der Formel 1 in Monaco nur 0,568 Sekunden. Diese 18 beinhalteten neun Teams. Nicht Sauber. Ganz und gar nicht Sauber. Unglaubliche 0,452 Sekunden fehlten Valtteri Bottas, um überhaupt einmal den Anschluss zu P18 und zum Rest der F1-Welt herzustellen. Zhou Guanyu lag noch einmal 0,516 Sekunden dahinter. Monaco gerät für die Hinwiler völlig aus den Fugen.

Schon im Training waren die ersten bösen Vorzeichen da. Zhou zerbröselte am Freitag in Ste. Devote seinen Frontflügel, Bottas am Samstag in FP3 im Schwimmbad seine Aufhängung. Das letzte Bisschen Optimismus starb, als es in Q1 ans Eingemachte ging. Mit extra schlechten Nachrichten: Es gibt keine äußeren Einflüsse wie Verkehr, mit denen sich der gigantische Rückstand erklären lässt.

Bottas schlecht, Zhou schlechter: Desaster im Qualifying

“Wir haben aktuell keine Antworten”, resigniert Bottas. “Auf eine Runde haben wir zu kämpfen, wir scheinen da nicht alles rausholen zu können. Keine Ahnung warum. Es gibt keine klare Einschränkung bei der Balance. Das Auto fühlte sich ganz gut über eine Runde an. Wir können einfach nicht so viel Tempo wie die Konkurrenz in die Kurven mitnehmen.”

Versuchen es die Fahrer trotzdem, so wehrt sich das Auto vehement. Dass Zhou noch eine zusätzliche halbe Sekunde von Bottas als persönliche Pleite mitbekommt, überrascht auch nicht. Monaco ist seine Albtraum-Strecke, seine Qualifying-Ergebnisse: P20, P19, P20. Noch nie schaffte er es, seinen Rückstand auf Bottas unter eine halbe Sekunde zu drücken.

Ein schlechtes Auto verschlimmert die Probleme nur: “Natürlich schien uns die Balance in ein paar Kurven zu fehlen, aber das Problem war das Rutschen über alle vier Reifen. Es hatte einfach physisch nicht den Grip, den andere hatten.” Damit hatte er kein Vertrauen ins Auto, ausgerechnet hier im Leitplankenkanal, wo dieses Vertrauen der alles entscheidende Faktor ist.

Was läuft hier schief? Sauber in Monaco nach Qualifying ohne Plan

Nun beginnt eine drängende Ursachenforschung. Das Team hatte in den letzten Rennen mehrere Updates gebracht, und in Monaco schließlich wie alle anderen einen neuen High-Downforce-Flügel, der nur für besonders langsame Strecken gebraucht wird.

Das Besondere am Sauber-Flügel ist aber, dass er bei der Befestigung das Konzept wechselt. Auch wenn die Fahrer sich nicht vorstellen können, dass dieses Detail allein schuld sein kann. “Ich hoffe echt, dass es ein Einzelfall ist”, so Bottas. “Ist ja nicht so, dass wir das Auto massiv geändert haben.” An den vielen Unebenheiten hier soll es auch nicht liegen, Fahrqualität ist gut. Anders als etwa bei Red Bull:

“Irgendwie können wir hier keinen Abtrieb erzeugen”, stellt Bottas schließlich fest. Fazit: Es muss einfach irgendwo in der High-Downforce-Abstimmung der Wurm drin sein. Vielleicht trotzdem beim Aufhängungs-Setup: “Die Fahrzeughöhe ist auf solchen Strecken immer ein Kompromiss. Ich weiß nicht, ob wir da anfälliger sind als andere.”

Sauber-Boss schlägt Alarm: Reagieren, nicht analysieren

Über Nacht will man jetzt erst einmal das Setup umgraben. Ein Start aus der Box wäre auch nicht der Untergang, schließlich kann es nicht schlimmer werden. Und Überholen geht in Monaco sowieso wohl kaum. Team-Repräsentant Alessandro Alunni Bravi stellt im Angesicht der Lage eine klare Forderung: “Heute ist nicht die Zeit zum Analysieren gekommen, sondern zum Reagieren.”

“Was wir tun können ist reagieren und beweisen, dass wir selbst in schwierigen Zeiten umblättern und uns verbessern können”, fordert Alunni Bravi. Natürlich wird man auch die Analysen nicht vermeiden, aber das erste Fazit ist schon ein klares: “Wir haben gesehen, dass uns insgesamt Performance fehlt, aber es gibt kein einzelnes Element, das in einem Team Performance erzeugt. Wir verstehen, dass wir in jedem einzelnen Bereich einen Schritt machen müssen.”

“Und wir wissen, dass es am wichtigsten ist, dass jedes Mitglied unseres Teams sich reinhängt und nicht aufgibt”, bemüht sich Alunni Bravi um Motivation. Die Realität bleibt: Sauber ist neben Williams das einzige Team ohne Punkte. Und letztere haben mit Alex Albon einen Fahrer auf dem zehnten Startplatz, und so mit einer Hand am Zähler.