Nicht einmal eines der schlechtesten Qualifyings seiner Karriere kann Max Verstappen in Brasilien vom Podest fernhalten. Mit einer unglaublichen Comeback-Fahrt verwandelt Verstappen die Kombination aus Albtraum-Qualifying, Boxengassen-Start und Reifenschaden in einen dritten Platz. “Das habe ich definitiv nicht erwartet, als ich heute aufgewacht bin”, ist Verstappen selbst erstaunt von sich.

Am Samstag hatte Red Bull für das Qualifying noch katastrophale Setup-Änderungen vorgenommen, weswegen Verstappen in Q1 hängengeblieben war. Über Nacht wurde das Setup komplett umgebaut, sowie ein neuer Verbrennungsmotor verbaut: “Du analysierst alles, was du an diesem und in den letzten Wochenenden getan hast. Dann sind wir in eine Richtung, von der wir dachten, sie sei gut.” Der Parc-ferme-Bruch zwang Verstappen entsprechend zu einem Start aus der Box. So waren die Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis eher mager.

“Oh mein Gott”: Verstappen erlebt im Rennen erst nächsten Rückschlags

In Runde 7 schienen sich dann diese letzten Hoffnungen zu zerschlagen. Verstappen hatte sich nach dem Start schon auf P13 vorgearbeitet und geplant, nun mit den härtesten Reifen möglichst lange zufahren. Dann sah das Team einen Reifenschaden, wohl durch Trümmer mehrerer Zwischenfälle in der Startphase ausgelöst. Verstappen musste außerplanmäßig zum Wechsel auf Medium und war wieder Letzter.

“Ich dachte mir nur: Oh mein Gott, dieses Wochenende läuft absolut gar nichts”, meint Verstappen später. Dann beruhigte sich das Rennen im ersten Drittel, Verstappen kam in den Rhythmus und es bestätigte sich, was er schon auf den ersten Metern hin zur Startaufstellung geahnt hatte. Das Auto fühlte sich endlich gut an.

“Ich denke, es war von allem etwas”, meint Verstappen zum Grund. Besseres Setup, mehr Leistung des neuen Motors. “Ich war einfach etwas zufriedener. Außerdem waren die Temperaturen heute etwas kühler, da schien bei uns alles etwas besser zu laufen.”

Innerhalb von 8 Runden fuhr Verstappen wieder ran ans Feld und überholte fünf Autos. Dann begann das Mittelfeld vor ihm zu stoppen und schenkte ihm immer mehr freie Fahrt und mehr Gelegenheit, seine Pace auszuspielen und zugleich seine Medium-Reifen zu managen. Ab Runde 22 war er Vierter: “Dann versuchst du dich einzugrooven, die optimale Strategie zu fahren, und alles hat geklappt, das Team hat alles richtig gemacht.”

Red Bull stellte den Plan komplett um und fuhr statt des geplanten langen Hard-Eröffnungsstints nun eine Medium-Medium-Soft-Strategie ins Ziel. Mit einem starken ersten Stint bis runde 34 legte Verstappen hier den Grundstein für den Erfolg: “Sich wieder durchzukämpfen hat den ersten Stint kompromittiert, weil du dauernd überholen musst und dauernd überhitzt. Die letzten 8 bis 10 Runden waren hart, aber es war immer noch ein starker Stint.”

Verstappen-Aufholjagd endet im Heck von Antonelli: Reifen reicht nicht

Dass es Verstappen trotzdem so lange geschafft hatte mit guter Pace auszuharren, verschaffte ihm nun auf den letzten beiden Stints einen Reifenvorteil gegenüber seinen direkten Konkurrenten im Spitzenfeld, angeführt von den beiden Mercedes. Red Bull kam in Runde 54 von 71 zum letzten Wechsel auf Soft, während beide Mercedes vor ihm sechs respektive sieben Runden ältere Medium-Reifen fuhren.

In Runde 63 fertigte Verstappen George Russell ab und schloss auch noch zum zweitplatzierten Kimi Antonelli auf. Dann gingen ihm aber die Reifen aus: “Ich habe George überholt, aber dann überhitzen deine Reifen schon und wenn du dann an Kimi rankommst, dann verlierst du zu viel Grip. Auf dem Soft war das auch schwieriger als auf dem Medium. Aber insgesamt war das ein richtig starkes Rennen, aus der Box bis auf 10 Sekunden an den Sieger ran.”

Dieser Sieger, Lando Norris, schätzte nach dem Rennen sogar, dass Verstappen am Sonntag in Brasilien das schnellste Auto hatte. Doch wer aus der Box startet und dann auch noch einen Reifenschaden erleidet, der gewinnt eben nicht. So ist Verstappens WM-Rückstand drei Rennen vor Schluss auf 49 Punkte angewachsen und Brasilien und Mexiko zeigten, dass Red Bull immer noch Probleme hat, ein enges Arbeitsfenster zu treffen: “Es wird von den Strecken-Layouts abhängen, von den Temperaturen, ob wir in ein gutes Fenster kommen.” An die WM glaubt er nach wie vor nicht.