Machtkampf am Nürburgring – und der Motorsport ist der Verlierer. Der deutsche Langstreckensport ist in Geiselhaft eines Streits um die Nürburgring-Nordschleife. Die Protagonisten: Die VLN mit ihrer seit Jahren etablierten Meisterschaft NLS (Nürburgring Langstrecken-Serie) auf der einen und auf der anderen Seite die neu geschaffene Nürburgring Endurance Serie (NES), die als Konkurrenzprodukt etabliert werden soll.

Ziel: Der Nürburgring will so den Einfluss des ADAC, der traditionell die VLN unterstützt, an seiner Sportstätte verkleinern.

Dabei wird der Kleinkrieg um Deutschlands berühmteste Rennstrecke auch zum Kampf zweier Automobilclubs. Denn während der ADAC mittlerweile sogar Hauptsponsor der NLS ist, ist der AvD mit 25 Prozent an der NES beteiligt. Mehr noch: Ohne den ADAC wäre die 47 Jahre lang ausgetragene NLS in Geldnot, denn ein Gerichtsprozess verschlang bereits Unsummen.

Hintergrund: Die Nürburgring Holding, der 51 Prozent der neuen NES gehören, wollte der NLS keine Termine zur Verfügung stellen. Das verstößt sowohl gegen das Kartellrecht als auch das sogenannte Nürburgring-Gesetz, wonach die Benutzung des Nürburgrings durch die Allgemeinheit dauerhaft zu gewährleisten sei. Die VLN klagte und bekam fünf Veranstaltungstermine mit sechs Rennen zugesprochen.

NLS-Saisonstart am 6./7. April

Am 13. und 14. April finden zusätzlich auch die Qualifyers zum 24h-Rennen unter dem Dach des ADAC statt.

Bild: Gruppe C Photography / 24h-Media

Der erste Lauf durch die grüne Hölle steigt am Wochenende (6./7. April). Am 13. und 14. April finden zusätzlich auch die Qualifyers zum 24h-Rennen (1./2. Juni) unter dem Dach des ADAC statt.

Die NES dagegen hat ihren Saisonauftakt am 22./23. März abgesagt und in Test- und Einstellfahrten umgewandelt. Inoffiziell wegen zu wenig Teilnehmern. In einer Pressemitteilung war dagegen von „zunehmenden Anfeindungen und Bedrohungen“ die Rede. Der Vorwurf: Viele Beteiligte, darunter auch ehrenamtliche Helfer, Sportwarte und sogar Teams und Fahrer, seien „zunehmend unter massiven Druck gesetzt“ worden, „und zwar von Personen, die vorgeben, im Auftrag und Namen der VLN/NLS sowie des ADAC zu handeln“.

Der Deutsche Motor Sport Bund hat jetzt ein Machtwort gesprochen. „Die echten Herausforderungen für den Motorsport durch äußere Faktoren sind groß genug“, betont DMSB-Präsident Wolfgang Wagner-Sachs und meint Nachhaltigkeitsansprüche, hohe Kosten und alternative Freizeitmöglichkeiten. „Da sollten die Motorsportveranstalter zusammenstehen, statt sich gegenseitig Starter, Sponsoren und Rennstreckentermine streitig zu machen. Für Konkurrenzdenken und Machtspiele ist im deutschen Motorsport des Jahres 2024 kein Platz. Wir brauchen viel mehr einen Schulterschluss.“

Das erste Rennen der neuen NES ist für den 3./4. Mai geplant