Der kommende Mittwoch könnte einer der wichtigsten Tage in der Sportgeschichte der Niederlande werden. Das ist den holländischen Fans nur noch nicht ganz bewusst. Auf dem Radar findet das EM-Halbfinale der “Elftal” gegen England statt. Die Fußball-Nationalmannschaft kann dabei nach 1988 das zweite Mal in ihrer Geschichte ins Finale beim Turnier der besten Mannschaften Europas einziehen.

Was indes unterm Radar stattfindet, könnte dabei ebenso bedeutend für die sportliche Zukunft Hollands sein. Dann nämlich fliegen Jos Verstappen (der gerade einen Familienurlaub an der Côte d’Azur verbringt und den für zwei Tage unterbricht), sein Sohn Max und deren langjähriger Freund und Manager Raymond Vermeulen gemeinsam aus Südfrankreich in ihre niederländische Heimat, um dort gemeinsam einen Tag zu verbringen – das Anschauen des Halbfinales inklusive.

Verstappen schon 2025 zu Mercedes?

Bei den Gesprächen auf dem rund eineinhalb Stunden dauernden Flug dürfte auch Verstappens Zukunft Thema sein. AUTO BILD erfuhr: Ein Wechsel zu Mercedes ist noch immer nicht vom Tisch. Spätestens seit dem neuerlichen Streit zwischen Red Bull-Teamchef Christian Horner und Jos Verstappen in Spielberg ist es ein offenes Geheimnis, dass Verstappen Senior seinen Sohn bereits 2025 lieber in Silber als in Blau fahren sehen würde. Jetzt muss er nur noch seinen Sohn und dessen Manager überzeugen.

Während Red Bull schlechter wird, ist Mercedes auf dem Vormarsch

Bild: LAT / Pirelli

Der selbst sehr talentierte ehemalige Formel-1-Pilot, unter anderem Teamkollege von Michael Schumacher bei Benetton, und im Moment der wohl bedeutendste Vater der Niederlande wird dabei sportliche Argumente vorbringen und die bekannte, brisante emotionale Situation zwischen ihm und Horner außer acht lassen. Die braucht er auch gar nicht mehr ins Feld führen, denn die sportliche Situation macht ihm die Überzeugungsarbeit immer leichter.

Die Ausgangslage in Kürze: Mercedes wird immer stärker, Red Bull immer schwächer. Setzt sich dieser Trend wie erwartet fort, hat Mercedes bereits 2025 nicht nur ein wettbewerbsfähiges Auto, sondern womöglich sogar das beste. Und nicht erst wie von Experten prognostiziert in der Saison 2026, wenn ein komplett neues Motorreglement dem Werksteam des deutschen Premiumherstellers sowieso in die Karten spielt.

Mercedes hat Argumente auf seiner Seite

Klar ist: Nicht erst seit dem Heimsieg von Lewis Hamilton in Silverstone, dem zweiten Mercedes-Triumph in Folge, verläuft die Formkurve der Silberpfeile steil nach oben. Der zu Ferrari abwandernde Superstar gewann den GP in Großbritannien aus eigener Kraft und schwärmte von einem Auto wie auf Schienen, während Red Bull sichtlich in den Seilen hängt.

Die amtierenden Konstrukteursweltmeister waren in Silverstone tempo-technisch hinter McLaren-Mercedes und dem Werksteam nur noch dritte Kraft. Allein Verstappens Fahrgenie sorgte dafür, dass Red Bull mit dem zweiten Platz des Ausnahmekönners Schadensbegrenzung betreiben konnte.

Helmut Marko bestätigt Ausstiegsklauseln in Verstappens Vertrag.

Bild: Red Bull Content Pool

Legt Mercedes weiter so mit Updates nach, kann auch “Wunderkind” Verstappen trotz seines großen Vorsprungs in der WM nicht mehr den Unterschied machen. Deshalb will das Team, das unter österreichischer Flagge fährt, aber vom Briten Christian Horner auf der Insel geführt wird, verzweifelt dagegen halten. Ein neues Aerodynamik-Paket, das Verstappens Auto 1,5 Zehntelsekunden schneller machen soll, wird schon beim nächsten Rennen in Ungarn ans Auto geschraubt. Red-Bull-Chefberater Helmut Marko zu AUTO BILD: “Das muss funktionieren. Sonst sieht es nicht gut aus.”

Fest steht: Die Zweifel, dass Verstappen auch 2025 für Red Bull an den Start gehen wird, werden immer größer – sogar innerhalb des Red-Bull-Rennstalls. Auch wenn er nur ungern darüber redet, gibt Marko zu: “Es gibt Klauseln im Vertrag von Max, die es – wenn bestimmte Dinge eintreten – möglich machen, das Team jederzeit zu verlassen.”

Mercedes‘ Höhenflug dürfte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Glaubt auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Der Wiener sagte bereits nach dem GP Österreich: „Wenn wir wieder regelmäßig an der Spitze fahren, dann werden wir auch wieder zum begehrten Ziel für die besten Fahrer werden – inklusive Max.“