Zumindest die Startphase des Sprints der Formel 1 in Österreich bot tolles Racing zwischen drei Top-Piloten auf allerhöchstem Niveau. Einmal mehr ist es Max Verstappen, der sich dabei durchsetzt. Lando Norris, der kurz eine Hand am Sieg hatte, wurde jedoch innerhalb einer Kurve nicht nur von Verstappen, sondern auch von seinem Teamkollegen abgezogen. Seine Dummheit kann er selbst nur schwer fassen.

“Ich wusste, es würde nicht zu viele Chancen geben, also musste ich einen Move rein in Kurve 43 versuchen”, so Norris nach dem Sprint. Extrem spät auf der Bremse stach er in Runde 5 innen in der Bergauf-Haarnadel gegen Verstappen hinein. Damit übernahm er die Führung von Verstappen, wenn auch rabiat, indem er den Red Bull fast rausdrängte.

“Ich hatte ihn innen in Kurve 3 nicht erwartet”, erklärt Verstappen, warum er die Tür offenließ. Er hatte da gerade mit der Leistungsabgabe seines Hybridsystems und mit dem Grip zu kämpfen. Die Spitzenfahrer hatten vom Start weg ein enorm hohes Tempo angeschlagen. Norris, der beim Start etwas geschlafen hatte, wusste, dass er unbedingt vorbei musste, solange er im DRS-Fenster war.

Norris nimmt alle Schuld für Niederlage gegen Verstappen auf sich

Verstappen ließ dieses Manöver aber nicht auf sich sitzen. Zwar hatte Norris für die darauffolgende Gerade auch in Führung liegend noch einmal DRS, doch der Red Bull hängte sich in den McLaren-Windschatten. Und dann beging Norris einen – in seinen Augen – kapitalen Fehler: “Ich war richtig dumm in Kurve 4, habe alles vergeigt.”

Norris deutete zwar an, die Innenbahn abzudecken, zog dann aber doch nach links auf die Ideallinie. Verstappen konterte sofort mit extraspätem Bremsmanöver innen. Mit Erfolg. “War cool, hat Spaß gemacht”, meint er dazu nur. Nicht so Norris: “Wenn ich mich verteidige, nicht die Tür offenlasse, ist das eine andere Geschichte.”

Red Bull-Pilot Max Verstappen führt vor den beiden McLaren mit Oscar Piastri und Lando Norris
Verstappen hatte im Sprint McLaren im Griff, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

So aber wurde Norris auch noch von Verstappen weit rausgedrängt. Das öffnete die Tür für Oscar Piastri, der sich auf dem dritten Platz nach dem Start schon das Popcorn bereitgestellt hatte: “Ich blieb geduldig, dann habe ich mir Lando geschnappt.” Außen in Kurve 6 hielt er rein, Norris musste innen zurückziehen.

Piastri langsamer als Norris: Keine Chance mehr für McLaren auf den Sieg

So waren die Positionen bezogen. Verstappen konnte Piastris einzigen Versuch, eine Runde später nahe genug für eine Attacke zu kommen, unterbinden. “Die Reifen sind dann so heiß, dass das DRS nicht mehr so eine große Auswirkung hat wie zu Rennbeginn”, analysiert Piastri. So begann Verstappen langsam wegzufahren: “Sobald du aus dem DRS raus bist, kannst du dich eingrooven, dein eigenes Rennen fahren. Die Pace war hoch, auf die Reifen haben wir nicht viel aufgepasst, dann ging es nur darum, bis zum Ende zu überleben.”

Das schaffte Verstappen mit 4,616 Sekunden Vorsprung auf Piastri locker. Der zweite McLaren rettete seinen zweiten Platz vor Norris über die Linie. Der ist nur mit dem Team-Ergebnis happy. Die Plätze zwei und drei waren McLarens ausgegebenes Ziel gewesen. Nur sich selbst verflucht er. In der Pressekonferenz wieder, und wieder, und wieder: “Ich muss ein paar Dinge besser machen.”

Norris auch noch krank: Harte Zeiten in Spielberg

“Vielleicht wäre es nur für eine Runde gewesen, vielleicht hätte mich Max im nächsten Umlauf wieder überholt, aber es sind immer diese kleinen Chancen, die ich gerade so verpasse”, hält Norris fest. “Rückblickend frage ich mich, wie dumm ich bin, um die Dinge zu tun, die ich tue.” Auch den minimal zu schlechten Start in Barcelona, oder die verpasste Chance zum Boxenstopp unter Safety Car in Kanada – beides Zwischenfälle, die ihm mögliche Siege kosten – bekommt er noch immer nicht aus dem Kopf.

Obendrauf geht Norris auch körperlich in Spielberg etwas auf dem Zahnfleisch, ist krank, hustet durch die ganze Pressekonferenz hindurch: “Nichts, was meine Performance beeinflusst. Nur abseits der Strecke bin ich müde. Ich schlafe nicht gut. Natürlich ist das ein kleines Ding, aber nichts, was ich als eine Entschuldigung für meine Leistung auf der Strecke nutzen würde.”

Gerhard Berger mit Oscar Piastri (McLaren), Sprint-Sieger Max Verstappen (Red Bull) und Lando Norris (McLaren) im Parc Ferme
Die Top-3 nach dem Österreich-Sprint, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Wie gefährlich Norris und McLaren im verbleibenden Qualifying und im Rennen in Österreich sein werden, da gehen die Meinungen zwischen ihnen und Verstappen auseinander. “Sie haben mich heute hart gepusht”, meint Verstappen.

Beide Seiten fordern eine schnelle Analyse und noch einmal Verbesserungen am Setup in der Mittagspause. Ein kleiner Schritt fehlt McLaren noch, meint Norris: “Wir machen einen guten Job. Nur das müssen wir finden.”

Den Rest des Sprint-Samstages mit dem Qualifying und alle News zum Österreich-GP gibt es hier im Liveticker von Motorsport-Magazin.com: